Ihr mögt ja alle einen goldenen Oktober haben - aber wir haben einen schneeweißen, wunderschönen Sonntag heute, sonnig und frisch. Beim Spaziergang mit der Ziegenhorde haben wir letztes Alfalfa unterm Schnee gesucht. Und Billy hat Leinenführigkeit geübt, allerdings mit kleinen Widerständen. Ich sehe ihn noch nicht so ganz Gepäck-schleppend mit Gereon durch die Foothills zockeln, aber er hat ja noch Zeit zum Üben. Billy ist übrigens der kleine Dicke im Vordergrund auf dem ersten Bild.


Monthly Archive for October, 2004
Jetzt aber wirklich. Nachdem wir ja Anfang September schon ein bisschen Schnee hatten, mussten sich alle mit der Ernte (und wir mit dem Heu!) wirklich beeilen. Am 2. Oktober ruhten die Ziegen noch in den warmen Sonnenflecken auf dem Hof, doch die Pelzchen wurden schon etwas dichter.
Am 10. Oktober haben wir wirklich mit der Kartoffelernte angefangen, der kleine Hund macht hier noch einmal die Streichholzschachtel zum Größenvergleich - ich finde die Kartoffel schon ganz schön groß, aber später kamen dann noch deutlich dickere.
Am 11. Oktober war hier Thanksgiving, und wir haben drei Tage lang sozusagen Erntedank gefeiert (auch wenn im Garten immer noch was war), haben uns Rotwein und Videos gegönnt und Cookies und waren jeden Abend gemütlich faul. Der Wetterbericht wurde immer bedrohlicher, es wurde kühl und regnerisch, und die allerletzten Reihen Heu hat Gereon leider liegen lassen müssen. Und seit vorgestern Nacht schneit es nun also immer mal wieder, und die heutige Höchsttemperatur ist mit -1° gemeldet. Zoe und ich sind schnell in den Garten, um Reste zu ernten.
Die Blümchen sind nun wohl wirklich hin
Zoe findet auch im Schnee was zu schnuffeln
Ich hab sie immer gern bei mir, weil ich glaube, dass die Bären noch nicht schlafen und ich mir immer vorstelle, dass die unseren Garten auch ziemlich lecker finden könnten. Zum Beispiel diese immensen Rosenköhle
Ich bin hin und futsch, vielleicht kann man auch ohne Streichholzschachtel erkennen, dass diese Dinger monstergroß sind und überwiegend fest und bilderbuch-schön.
Nun wandern auch die Truter nach und nach in die Truhe - nur drei sind noch übrig. Bei diesem Wetter saßen sie nämlich den ganzen Tag vor der Haustür, bei gleichzeitig unverminderter Verdauung - das will man ja wohl auch nicht.
Gestern abend fiel dann - ABENTEUER - alles aus, was mit Gas zu tun hat. Sprich: kein heißes Wasser, keine Heizung, kein Herd/Backofen. Gut, dass wir den Holz-Küchenherd und Holz haben. Da köchelt jetzt eine Trutersuppe vor sich hin, mit allem, was der Garten noch so hergegeben hat heute. Ich glaub, Winter ist gar nicht so schlecht - plötzlich wird die Welt wieder kleiner, so scheint es, mit dem Herd als Zentrum des Wilden Westens.
Noch was, leider ohne Bild: Neulich fuhr ich morgens zu “meiner” Bibliothek. Da parkte vor dem “Blue Apple Café” (was mich ja an das Bagdad Café aus “Out of Rosenheim” erinnert) ein schmuddeliger Pickup mit allerhand Gerät hintendrauf, angehängt ein sehr kleiner, löcheriger Viehanhänger. Darin standen, mit Blick hintenraus, doch schräg, denn nebeneinander hätten sie nicht gepasst, zwei gesattelte Pferdchen, hübsche kleine Dingerchen, mit Trensen an den Sattelhörnern. Wahrscheinlich mussten sie später Kühe treiben, doch für den Moment saßen die zugehörigen Cowboys im Café und frühstückten. Dann denke ich immer wieder, ich bin in einem Film!
…hier nochmal eine kleine Ziegen-Info. Wir haben ja nur eine Ersatzziege, und die wurde auch nicht, wie geplant, eingetauscht gegen zwei Zicklein, sondern zusätzlich erworben, weil wir gerade reich waren. Und das ist nämlich die Guste - Augusta, benannt nach der Tante aus Graham Greenes “Reisen mit meiner Tante”. Namensgebung ist logisch, weil nämlich die Guste und ich aus Fairview, hab schon wieder vergessen, wieviele Kilometer, im winzigen Mazda (der so aussieht wie Gereons oberbergisches kleines uraltes rotes Auto aussah, nur VIEL rostiger und klapperiger) zusammen nach Hause gefahren sind und dabei einige erstaunte Blicke von überholenden Fahrzeugführern auf uns gezogen haben, jawoll! Ich verweise hier mal auf meine poetischen Schreibseleien zu diesen Themen früher, als noch Sommer war:
Dairyland ade again! und Travels with my goat (Achtung, dauert eine Weile mit den Links)
Guste hat sich prima eingefügt in die Ziegentruppe, sie ist natürlich Chefin, und Lieblingsbeschäftigung ist Verbrecher-Kegeln (sprich: Durch-die-Gegend-Schubsen der Jungziegen, aber richtig mit Schmackes!). Findet immer statt, wenn Essen im Spiel ist. Da frage ich mich dann, ob Hörner wirklich gefährlich sind, wie ja natürlich hier im haar- und hornfeindlichen Nordamerika alle behaupten. Sonst liegt man Bauch an Bauch und ruht und wiederkäut gemeinsam. Auch Verbrechen werden inzwischen manchmal gemeinsam begangen: Flieder-Schälen zum Beispiel, Futtertonnen umschmeissen, Gereons Bienenmaterial-Stapel kippeln (führt fast zu Ehekrisen, weil nämlich meist ich die Ziegen freilasse, er nicht so viel), oder Judys heilige Fichten anfressen - oh Himmel! Meinetwegen könnten sie die ja haben, plöde Kornifären - aber hier sind die Menschen da ganz anderer Meinung als ich.
Mit der Milchproduktion isses nich mehr so dolle im Moment - irgendwelche Tipps? Wir kriegen nur einen knappen Liter am Tag. Das reicht zwar, doch mehr wäre hier einfach mehr für Quark und so.
So langsam überlegen wir, wann und wieviele Ziegen wir wieder decken lassen wollen und von wem überhaupt. In meiner Eigenschaft als Dorfbibliothekarin habe ich entdeckt, dass eine Dame einen Haufen Bücher über Milchziegen bestellt hat und habe gleich messerscharf geschlossen, dass ich der bestimmt unsere beiden “zuvielen” Zicklein aufschwatzen sollte und außerdem mit ihr vereinbaren, dass wir uns am besten einen Leihbock teilen. Macht doch Sinn, oder? Einen Bock hätte ich nämlich eventuell schon ausfindig gemacht.
Gereon und ich sind immer wieder erstaunt, WIE nett und menschenfreundlich die Ziegen sind. Guste geht gern in Tuchfühlung mit einem spazieren, so Nase in Hand gelegt oder so. Und nach dem Melken besteht sie geradezu auf einer ausführlichen Verkraulung, mit genüsslich geschlossenen Augen und langem Hals lässt sie dann Futter Futter sein und wird schon fast gelee-artig schlaff vor Begeisterung.
Wer immer mir zum Thema Hire and Fire einen Kommentar geschrieben hat: Das Kommentar-Dings funktioniert nicht! Leider - wo ich doch so neugierig bin. Wenn es also was Weltbewegendes oder extrem Geistreiches war, bitte ich um erneute Eintippung, vielleicht an dieser Stelle?
Mir schwirrt der Schädel vor lauter englischen Bibliotheksbegriffen, die mir der m.E. sprachlich leicht unorganisierte scheidende Bibliothekar zu vermitteln versucht hat. Beispiel: “The kids stay here more longer.” Na ja. Das scheint sich hier so langsam durchzusetzen. So sagen auch inzwischen viele Leute: “We should have went home earlier.” Und derlei grammatikalische Irrungen mehr. Oh Graus!
Also: meinen Küchenjob bin ich los! Kurz und eher schmerzlos, zack, weg war er, offiziell wegen Arbeitsmangel. Aber schon kurz vorher hatte ich mich schwungvoll um den Posten der Dorfbibliothekarin beworben, so mit der Idee: wer lesen kann und einen Computer ein- und ausschalten, darüber hinaus noch des Alphabetes in seiner korrekten Reihenfolge einigermaßen mächtig ist - der sollte das schaffen. Ich hab die Stelle bekommen (wir rätseln immer noch, ob ich die einzige Bewerberin war) und habe nun schon zwei Tage auf der Konferenz der Rural Libraries verbracht und ganz viel gelernt und bin mir jetzt nicht mehr ganz so sicher, was die Simplizität des Jobs angeht. Aber sehr nett war’s: etwa 120 Frauen (+ 1 Mann), und weil ich tatsächlich gleich was gewonnen hab und vor versammelter Mannschaft zum Podium marschieren musste, kennen mich nun alle als “die Neue”. Als nächste große Prüfung steht mir das Halloween-Basteln mit irgendwelchen Dorfkinderchen ins Haus - oh Graus!
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