Monthly Archive for December, 2004

Weihnachten im Kanada

Das sieht im Moment so aus: Es wird kälter, jetzt hat’s schon nur noch minus 10°C (um halb eins mittags) und es ist windig, und es schneegrieselt - ziemlich ungemütlich. Was zu einer unfairen Arbeitsteilung führt. Ich sitze nämlich gemütlich drinnen, hinter mir der üppige Weihnachtstisch ;-) , neben mir die knackenden, weil auftauenden, weil vorher von mir draußen vergessenen und daher gefrorenen Wasserflaschen (hoffentlich sind die noch dicht!) und draußen der Weihnachtsmann Gereon, der mit der bewährten Motorsäge dafür sorgt, dass wir nicht frieren müssen - guter Mann!
Ein bisschen traurig bin ich ja, dass niemand (fast) was zu unseren schönen Nikoläusen gemeldet hat - habt ihr die etwa nicht gesehen? Na los, guckt noch mal hinter die Bäume!
Ach ja, und im Radio laufen nordamerikanischen Christmas-Schnulzen ohne Ende - schade, dass keiner von euch allen hier ist, wir könnten es richtig gemütlich haben, mit lecker Braten und Rotwein und knisterndem Feuer. Na, vielleicht nächstes Jahr!

Fröhliche Weihnachten!

Auch hier in Kanada weihnachtet es nun mit Macht, und es grüßen herzlich und wünschen schöne Feiertage die echt kanadischen Nikoläuse und wir

Keine böse Absicht

Bilder sind futsch, ich weiß. Arne weiß es auch, und ich glaube, er schämt sich ein bisschen. Da ist irgendetwas Bedauerliches passiert. Und im Moment habe ich weder Zeit noch Nerv, die da wieder reinzubasteln. Wer also nicht zur rechten Zeit geschaut hat, hat nunmehr ein bisschen Pech, vielleicht. Aber nächste Infos gibt’s dann wieder mit aktuellem Bildmaterial.
Derzeit: jahreszeit-untypisch mild, doch Schnee. Bücherei-Weihnachtsparty mit relativ wenig geschmacklosem Geschenk (Wichteln!!) hinter mich gebracht. Immer noch keine Weihnachtskarten nach Deutschland geschrieben, wird wohl nichts Pünktliches mehr werden. Wir rechnen und rechnen und machen uns Gedanken, das hält uns von derlei “puren Vergnügungen” ab.
Und wieder keine Kinder beim Bastelnachmittag - ich rätsele, ob ich das nun doch persönlich nehmen soll. Dabei hätte ich mit den Kinderchen entzückende Engelein aus Kaffeefiltern gebastelt und/oder Glanzpapier-Herzen geflochten…

Das Abenteuer geht weiter

So scheint es jedenfalls derzeit. Gestern haben wir nämlich, völlig ohne Beanstandung, die Verlängerung unserer beiden Arbeitserlaubnisse bekommen. Da haben wir uns aber gefreut.
Und damit niemand denkt, wir müssten hier allzu sehr leiden, könnt ihr hier mal sehen, was der kleine Hund so ausbrütet, wenn er den ganzen Tag im Bett liegt Macht er doch gut, oder? Die Tomaten hatten wir grasgrün unterm Bett geparkt, und immer, wenn ich denn mal nachschaue, bin ich ganz erstaunt, dass die immer noch funktionieren. Ich hatte ja gar nicht erwartet, dass die noch so lange und so relativ ordentlich nachreifen. Es sind nur wenige matschig, bin ganz stolz!

“Im Frühtau…

…zu Berge” - oder doch so ähnlich. Nur, dass da kein Frühtau war, sondern immer noch -25°C klirrten, als die Ziegen morgens enthusiastisch die höchste Erhebung hier in der Gegend erklommen. Willkommenes Kino natürlich auch für die Pferde. Und Gereon berichtet, dass Guste energisch alle Nachklimmer vom Gipfel geboxt hat, der kleine dicke Billy (unten links im Bild) ist schließlich sogar mit einer ganzen Heukante abgebrochen. Gut, dass er geländegängig ist. Oben bei Auguste befindet sich die kleine blaue Odette, die es geschafft hat, sich bei Auguste so einzuschleimen, dass sie sogar manchmal mit ihr zusammen fressen darf.
Weil die armen Hörnertierchen bei -30°C so erbärmlich klapperten, hatte der Herr Hö. ein Einsehen, und wir haben sie in die leicht vorgeheizte Kälber-Wärmekiste gepackt. Am ersten Abend mussten wir sie noch zerren, am zweiten Abend ging das schon wie von selbst, und heute morgen hatte Gereon den Eindruck, sie hätten auch noch 1-2 Stündchen mehr darin verbringen wollen. Das ist Prärie-Luxus!
Doch jetzt hat es wieder kuschelige -2°C, und da will man ja die Tiere nicht verpimpeln, deshalb schlafen sie jetzt wieder unterm Scheunendach.

Fast einmal rund!

Nu sind sie wieder wech, unsere Arbeit- und Gastgeber! Pünktlich am 1. Dezember düsten sie bei rekordwarmem Gar-Nicht-Winter-Wetter (+8°C!!) gen Süden, Richtung Mexiko. Und so sind wir denn jetzt fast einmal rund: die Kühe stehen wieder alle beim Haus und werden gefüttert, erste Kälber ausser der Reihe kamen auch schon an. Eines übrigens gestern, nachdem die Tierärztin vor etwa 2 Wochen mit langem Arm alle Kühe auf Schwangerschaft untersucht und uns beschieden hat, dass keine unmittelbar bevorstehenden Geburten zu erwarten seien. Nun denn!
Die Kälber vom letzten Jahr sind alle verkauft, und jetzt müssen wir anhand vieler Zahlen für uns rausfinden, ob wir uns überhaupt noch ein Jahr hier leisten können - wenn denn Gereons Arbeitserlaubnis verlängert wird, was auch noch nicht 100% sicher ist. Ganz schön spannend!
Das Schöne ist, dass wir tatsächlich ganz alleine sind. Der Sohn des Hauses hat eine Arbeit in der Stadt angenommen, und so haben wir das “Reich” für uns. Erste Amtshandlung war - angesichts der oben erwähnten Zahlen - die Heizung wieder auszuschalten. Nun jedoch sind die Temperaturen innerhalb eines Tages um fast 30 Grad gefallen, heute morgen hatten wir -19°C und mindestens 5 cm Neuschnee, und für diese Nacht werden -27°C vorausgesagt. Die Ziegen werden immer eisbäriger, und der kleine Hund probiert auch schon neue Tricks gegen die Kälte aus. Wenn er nicht mit gewagten Kreationen der Kälte trotzt (er legt dabei Wert auf die Feststellung, dass es sich um Fake Fur handelt und kein Tier für den kleinen Hund sein Leben lassen musste - noch nicht…), liegt er allerdings meistens im Bett, unter zwei Decken, und kommt nur raus, um halbgefrorene Wildhäppchen ins Lager zu schleppen oder gleich zu essen.
Und noch ein Bild der gemischten Landwirtschaft, wie Hühner und Pferde sie interpretieren: Jasper kleckert beim Haferessen gewaltig, und die Hühner finden das ziemlich prima. Und wenn sie nicht vorne fressen, dann sortieren sie, was hinten wieder rauskommt - gute Verwerter! . Die Hühner haben noch nicht begriffen, dass man Eier nicht unbeaufsichtigt in der Kälte liegen lässt, einige sind schon geplatzt, weil die Damen nicht brav auf uns gewartet haben, bevor sie das Nest verließen.