Winter sieht hier im Moment so aus, wenn ich zur Arbeit fahre, zuerst Blick zurück, dann Blick nach vorn (ihr seht hoffentlich alle den Unterschied

Heute durfte ich dann mal wieder Trecker faahn - macht Spaß. Heu musste vor marodierenden Wapitis gerettet werden, mittels Mercedes LKW, Bale Wagon und Traktor zum Laden. Ich fuhr den High-Tech-Traktor - hier ein paar Ansichten. Man beachte insbesondere den bandscheibenfreundlichen Sitz in der rundum extrem transparenten Fahrerkabine. Das sauberste an dem ganzen Ding sind übrigens glaube ich die Schneeketten!

Was man weder mit Worten noch in Bildern wiedergeben kann, sind die Geräusche (Kette klackert leider gegen “Schutzblech”, Haube fehlt ja halb) und Gerüche (Auspuff ist irgendwie so kurz, dass der meiste Geruch in Richtung Fahrer geht). Für mich als ahnungslose Traktorfahrerin natürlich auch hochinteressant: Handgas, super-leichtgängige Schaltung, Extrem-Servo-Lenkung, leicht nachlassende Hydraulikfunktionen, will sagen, sowohl Schneeschild als auch “Hinterlader” müssen während der Fahrt hin und wieder nachjustiert werden, sonst hängt man hinten oder vorne womöglich fest.
Und hier die Aktion. Dazu darf man anmerken, dass das “Gespann” LKW + Bale Wagon von Fahrer Gereon so ca. 800 m rückwärts diesen Weg entlang rangiert werden muss - wenden geht da irgendwie nicht. Insgesamt passen 10 Ballen auf den Anhänger. Auch nicht wiedergeben kann man die Logistik, die bei niedrigeren Temperaturen erforderlich ist, um diese Gefährte überhaupt ans Laufen zu kriegen und dann bei Eis auf der Straße zu halten. Gereon und der Nachbar haben eine Transportaktion an einen anderen Platz wegen widriger Umstände “einfach” nach 10 Ballen aufgeben müssen!

Auf dem Heimweg durfte ich mit Ballen hintendrauf durch die “gefährliche Schlucht” - sehr spannend, aber geschafft! Dafür dann das hier das Siegerfoto: 
Monthly Archive for January, 2005
Zuerst kurz für die Interessierten: Hypochonder-Pup schleimt sich ein:
Gesundheitszustand deutlich besser, muss tagsüber wieder draußen sein, leidet sehr ostentativ darunter. Gleichzeitig auch eine Gegendarstellung von Gereon: Nur ausnahmsweise ist er so unfrisiert wie auf dem Foto, normalerweise ist er immer frisch geföhnt und gestylt. (Die Redaktion behält sich eine eigene Meinung vor…)
Und heute, am ruhigen Sonntag, sagte der frisch geföhnte Herr Hö: “Sollen wir nicht einen kleinen Spaziergang machen?” Und ich sagte naiv: “Au ja!” “Gut, ich würde mal gern nach den Bienen schauen.”
Dabei hatte ich vergessen/verdrängt/übersehen, dass der Schnee überall meist mindestens 35 cm hoch liegt, in Verwehungen gern mehr, außerdem gibt’s keine geräumten Wanderwege, und außerdem sind die Bienen doch irgendwie weit wech. (Lena kennt einen großen Teil des Weges, übers Heufeld, durch den Wald, über das nächste Feld, durch die Senke, durch den Wald, über das nächste Feld, dann links ab…)
(Gefühlte) Stunden später: Schneeengel (drei E) gemacht, muss sein! Wildschaden besichtigt - wär’ nicht nötig gewesen. Mindestens 10 gemütliche Hirsch-Liegeplätze in unmittelbarer Nähe des Frühstücksbuffets, da darf man dann wohl auch mal einen Hirsch essen. Bienen kontrolliert - erstaunliche Schneegebilde an den Fluglöchern, und, oh Wunder, die Batterie des Weidezaungeräts tickte noch fröhlich vor sich hin. Wenn doch unsere Auto-Batterie soooo gut wäre! Bienen schienen noch zu leben, ich konnte sie summen hören - faszinierend.

Nun hatte ich heute morgen noch über mangelnde Bewegung geklagt, heute hatte ich sie dann. Das ganze Land scheint von Elch-Autobahnen durchzogen, die erstaunliche Abstände zwischen den einzelnen Fußabdrücken aufweisen.
Ich hätte mal besser die Schneeschuhe angezogen - beim nächsten Mal!
Wenn es dolle friert, sieht man nach einer Wanderung (zum Briefkasten) ungefähr so aus
Aber es wird im Moment warm, bis -10 diese Nacht.
Thema Nr. 1 überall ist die Kälte, die über den Westen Kanadas hereingebrochen ist. Wir als naive Newcomer denken natürlich immer, das g’hört so. Doch selbst die Einheimischen stöhnen - andererseits, irgendwie stöhnen ja immer alle über das Wetter, das ist nicht anders als in Deutschland. Die Fakten: Vorgestern Nacht am Flughafen in Edmonton, den Windchill, als die zusätzliche Abkühlung durch den Wind, eingerechnet: -52°C. Bei uns fühlt sich das nicht ganz so übel an. Zum einen haben wir ja rund ums Haus Bäume, und besonders bei Winterwind weiß man, warum! Zum anderen war bei uns der Wind nur sehr schwach, und man gewöhnt sich auch irgendwie an die Kälte. Ärgerlich ist nur immer wieder, dass dieses Haus so derart blödsinnig unterisoliert ist, dass wir ganze Wälder verheizen und trotzdem längst nicht überall die Temperaturen haben, die ich mir wünschen würde. Im Schlafzimmer, direkt neben meiner Bettseite, ist immer dickes Eis an einer nicht mehr benutzten Außentür. Ich hab jetzt Schafswolle in die Ritzen gestopft, das scheint zu helfen. KEINE Außentür schliesst dicht, Fenster ähnlich. Nun ja! Gestern blieb meine Library geschlossen, weil das Auto nicht läuft (immer noch nicht wirklich!), aber meine Vorgesetzten gaben mir ihr OK, weil nämlich auch keine Schulbusse fuhren bei der Kälte.
Und dann der Puppinger. Als es richtig kalt wurde, lief der Puppinger ganz krumbuckelig und voller Eis und Schnee am ganzen Körper rum. Wir konnten uns das nicht erklären. Gereon stellte fest, dass er speziell unterm Bauch Eiszapfen hatte und befürchtete schon, er sei in den Dugout eingebrochen. Doch später stellten wir fest, dass es sich nicht um Eis-, sondern um Blut-Eiszapfen handelte - ieeehbabah! So holten wir den Puppinger, der ja IMMER draussen wohnt, ins Haus. Mittels einer Taschenlampe (ordentliches Licht ist auch Mangelware) stellten wir fest, dass er ein dickes Loch im Brustkorb unten hatte, was die Zapfen produzierte. So tauten wir ihn langsam auf, der Nachbar George kam noch prüfen, tippte auf Hirsch- oder Kojoten-Scharmützel. Der arme Pup blieb daraufhin 40 Stunden lang auf den Beinen, er wollte oder konnte sich nicht hinlegen! Dr. Höntgesberg, sein Hausarzt, konnte das nicht länger mit ansehen, und mit viel Überredungskunst und sanfter Gewalt brachte er den Patienten in die Knie und schließlich auf die Seite. Schwester Nini unterstütze fachgerecht die Bemühungen. Hacke aus der Hand wurde dann gern genommen! Und weil der Dr. Hö. so ein weiches Herz hat, hat er den Pup sogar zugedeckt, finde ich ja ein bisschen viel des Guten, aber nun ja, die beiden mögen sich sehr.
Weitere Untersuchungen, nach dem Auftauen, ergaben, dass das arme Viech überall voller kleiner Verletzungen ist - also wohl nicht Hirsch, sondern Kojoten. U.a. hatten sie versucht, ihn zu kastrieren, war aber ja schon zu spät. Von diesem Versuch hat er nun ein Loch, da wo die OP-Stelle wäre und ein dick geschwollenes Bein, wohl der Grund für seine Standfestigkeit. Sein dickes Fell hat ihn wahrscheinlich vor tieferen Wunden bewahrt. Ich sage ihm täglich, dass er froh sein kann, dass WIR hier sind. Die Bauersleute hätten ihn in der Kälte gelassen, und das wäre bestimmt nicht schön geworden! Nun allerdings übt er fleissig hypochondern - bin mal gespannt, wie wir ihn wieder aus dem Haus kriegen. Er steht nämlich jetzt ohne gutes Zureden einfach nicht mehr auf. Er hat allerdings auch sofort verstanden, dass man sich nur Freunde erhält, wenn man den Stoffwechsel herunterschaltet und nur draußen aktiv werden lässt - guter Hund!

Und schließlich die Immigrationsminister. Wir erleben nun gerade den dritten, nachdem Mrs Sgro, die Vorgängerin ihr Amt niederlegte in Folge diverser Anschuldigungen, u.a. wegen eines Programmes, das Stripperinnen bevorzugt die Einwanderung ermöglicht. Außerdem hat sie angeblich eine rumänische Stripperin reingeholt, die ihr dafür im Wahlkampf geholfen hat (???). Der Neue nun hat einen deutschen Nachnamen, es ist der Herr Volpe. Vielleicht ist das ein gutes Omen. Wir haben nämlich gerade festgestellt, dass das für uns zuständige Konsulat in Buffalo, USA, 20 Monate für die Bearbeitung der ersten 30% der Anträge braucht, und bis es dann 80% bearbeitet hat, vergehen insgesamt 29 Monate. Im Klartext scheint das zu bedeuten, dass wir gar nicht wirklich eine Chance haben, noch dieses Jahr überhaupt eine Entscheidung zu bekommen. Ich hab die nicht lieb, wirklich nicht.
Es schneit - und es scheint noch mehr Schnee zu geben. Geschätzt haben wir so mindestens 25 cm, doch guckt selbst.
Gereon muss nicht mehr ganz so viel blinzeln, seit er diese kleidsame Brille bei der Schneearbeit trägt
So ausgestattet, schaufelt er unter anderem den Hunden Wege in ihre Häuser frei 
Die Hunde sind, wohl weil es nicht so eklig kalt ist, sehr fröhlich bei diesem Wetter
Der kleine Hund hat sich heute versehentlich sogar einmal in den Tiefschnee gestürzt,
aber wie man hier noch am Schnee AUF dem Mäntelchen sehen kann, schlugen die Schneewogen über ihm zusammen, und er ließ sich leider nicht mehr in die Tiefe locken.
Wir prüfen derweil per Internet die Vorschriften für den Verkauf z.B. von Honig, Hähnchen, Puten, Eiern, Brot, Milchprodukten - und sind erschlagen von den Unmengen an Vorschriften und Einschränkungen, die es hier gibt. Ist das in Deutschland auch soooo schlimm, ihr Landwirte/Schweinhalter/Käseproduzenten? Alles unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes, deswegen gibt es hier wahrscheinlich E-coli-Todesfälle und natürlich auch BSE - ein neuer bestätigter Fall vorige Woche, doch natürlich niemals eine Gefahr für den Verbraucher… Doch wenn wir uns ansehen, was auf dem Farmers’ Market so alles verkauft wird und da wir teilweise wissen, wo es herkommt, vermuten wir, dass es auch Wege UM die Vorschriften herum geben muss. Mal schauen!
Das Autofahren übrigens bei Schneefall und 60 km Nordwind ist insofern spannend, als man die Straße, die natürlich keine seitlichen Begrenzungspfählchen hat, manchmal einfach nicht sehen kann. Glücklich, wer auf einen Briefkasten oder sowas zielen kann!
… neuer Haystack
und Blick nach vorn (na ja, dieser hier geht nach Südosten, wenn man es genau nimmt!) 
Das ist die Devise hier im frisch-kühlen Nordwesten Albertas. Wir haben nicht gefeiert, bei den schrecklichen Bildern, die man in den Nachrichten sieht, steht einem da auch der Sinn nicht so nach. Allein waren wir auch, Wein gab’s keinen, Sekt sowieso nicht. Außerdem - und das finde ich ziemlich kanadisch - haben die hier die Stirn, einem nicht nur dieselbe einstündige Nachrichtensendung zweimal hintereinander zu zeigen, nein, auch am Silvesterabend, wo wir dachten, na ja, ein bisschen Comedy ist vielleicht ganz nett - da wiederholen sie am selben Abend ihr einstündiges Programm. Nicht wirklich überzeugend!
So sind wir einmal mehr mit unseren Büchern ins Bett gegangen und haben uns schlau gemacht für zukünftige landwirtschaftliche und behördliche Herausforderungen. Und wurden heute morgen zu strahlendem Sonnenschein, jedoch knackigen -28°C wach. Auf den Fotos kann man Whispers Eiszapfen am Bauch sehen! Er nimmt das jedoch gelassen, Hauptsache, der Haystack wird regelmässig nachgefüllt. Auch Kühe und Draußen-Hunde kommen mit dieser Kälte noch gut klar, nur der kleine Hund kam heute schreiend vom Toilettengang wieder rein und schrie dann noch eine Zeitlang auf der Couch, mit Mantel und unter der Decke, vor sich hin. Ich glaube aber, er hypochondert ein bisschen… Meine “Ski-Tour” heute zeigte, dass der Schnee an manchen Stellen doch schon schön tief ist, etwa 25 cm, der vordere Teil der Langlaufskier fuhr regelmäßig ganz unterm Schnee. Wegen der Kälte hat Gereon aber den Traktor heute lieber gar nicht angeworfen. Die in der Praxis oft bewiesene Theorie ist nämlich, dass so ab -30°C alles, was schon ein bisschen geschwächt ist, kaputtgeht. Na, und für unser Farmequipment trifft das ja in überragendem Maße zu. Also nix Schneepflug - wir warten ab, bis es wieder wärmer wird, was in etwa 3 Tagen der Fall sein soll.
Wir wünschen euch ein gutes neues Jahr!
Recent Comments