Findet der Herr Hö. eine Kuh mit einem Kalb und ein Kalb ohne erkennbare Mutter. Waren das schon wieder Zwillinge, diesmal besonders hübsch, finde ich. Und Mama ist sehr, sehr freundlich und liebt beide ihre Kinder. Leider ist sie nicht ganz sauber, hinten links, die Mama, doch wir lichten sie trotzdem ab. Für die Nicht-Kuhexperten: Es handelt sich um ein Mädel (dunkel) und einen Knaben (hell), und aller Wahrscheinlichkeit, so lernen wir, ist das Mädel unfruchtbar, hier nennt man das “Freemartin”.




Und noch eine erfreuliche Sache: Immerhin zwei Tulpen stecken die ersten Spitzen aus dem Boden! Ich war schon etwas verzweifelt, weil sich so gar nichts tat. Doch nun bin ich wieder hoffnungsvoll, was den Garten angeht.
Zuerst guckt der Pup, dann die Nini, dann denken wir: Ach, da kommen die zwei schwarzen Katzen. Und dann sagt der Herr Hö.: Das sind keine Katzen! Und ich sage: Das sind zwei Biber! Und schon rasten wir zu den Kameras, weil wir ja dachten, scheue Biber muss man schnell knipsen. Doch von wegen scheu: die waren auf dem Weg zum Haus und eher angriffslustig, Gereon hat zwei Filme verknipst und die Biber haben eine Show hingelegt, die mich befürchten lässt, dass die doch ausgestopft und animiert waren und wir dieser Tage von der kanadischen Regierung oder von Roots eine Rechnung für die Fotosession bekommen. Es gab Kriegsrat, Synchron-Bewegungen, freundliches Kopftätscheln, Scheinattacken mit wildem Schwanzgeklatsche und Hinterbeinen in der Luft (Lippizaner-ähnlich, nur andere Farbe ;-), Susanne wurde verscheucht - nur weggelaufen wurde nicht! Der Hintergrund: dies ist wohl die Jahreszeit, in der überzählige oder sonstwelche Biber sich nach neuen Wohnmöglichkeiten umsehen.





Nein, keine Bildchen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, als wir uns gestern die erste interessante Viertelsektion (nochmal zum Mitschreiben = etwa 64 Hektar) angeschaut haben. Der Besitzer brauste mit uns nämlich mit einem so genannten Argo (wir erinnern uns an Jason und das Goldene Vlies), einem achträdrigen stinkenden motorisierten (knallroten!!) Badewännchen über das Land, sehr lustig. So ähnlich stelle ich mir Rodeo vor! In der Mitte des fast völlig bewaldeten Landes mehrere Biberdämme, mit einer riesigen Biberburg in der Mitte, und fast hätte ich sogar einen gesehen, aber es hat wieder nicht ganz geklappt. Laut Erzählungen der Besitzer wandern immer mal wieder Luchse über den Hof, ein Grizzly wurde dreimal gesichtet, Elche sowieso, kein Mangel an Schwarzbären (alle 2 Jahre ein problem bear, but a little lead poisoning takes care of that …), die Wölfe räumen immer die Muskrat-Wohnungen (Bisamratten) aus… Ich sah Herrn Hö.s Augen schon leuchten. Ich dagegen stellte mir vor, dass ich auf so einem Land wirklich nur mit Knarre rausginge, und die Guste bräuchte einen persönlichen Schutzhund, und der kleine Hund müsste auch einen Selbstverteidigungskurs absolvieren, mit Diplom und schwarzem Gürtel, bitte sehr. ABER schön war es! Mit 87.000 Dollar allerdings für uns zu teuer, weil es leider auch noch keinen Allwetter-Zugang zum bereits grob freigeräumten Bauplatz gibt. Außerdem ist das beste Holz schon weg, so dass für ein Haus nichts mehr da ist, erst in 20 Jahren wieder.
Also haben wir heute im Internet noch ein bisschen weitergewühlt, und hier ein Link, den ich anschauenswert finde zu einer kompletten Sektion (das ist dann schon mehr als zwei Quadratkilometer, glaub ich jedenfalls
Auch hier leuchten unser beider Augen, der Preis ist ja prima, 185.000 Dollar (ca. 117.000 Euro) für über 2 km², ABER sowohl nach Norden als auch nach Süden sind es mindestens 100 km bis zur nächsten Stadt, von denen aber keine auch nur annähernd so ist wie Grande Prairie. Dafür hat die nördliche, nämlich High Level, die höchste Verbrechensrate weit und breit. Tja…, schade eigentlich.
Aber Gucken ist spannend und kostenlos. Und wir haben eine Website entdeckt, auf der man Luftaufnahmen der Sektionen anschauen kann.
Heute einmal zur Ansicht drei Sonderfälle der Natur:
Da haben wir Haarlos, Zwillingslos und Eierlos.

Haarlos wurde so geboren, mit ganz wenig Haaren, aber anscheinend kein “Frühchen”. Jedenfalls hat es Zähne und ist sehr fröhlich, nur eben ein wenig fröstelich.
Zwillingslos ist ein bisschen traurig: die beiden waren ja gut gestartet mit ihrer Mama, und dann hat sich diese einfach auf die Nr. 3 gelegt - da war se platt.
Und dann ist da noch Eierlos, keine Probleme bis auf dieses eben. Aber das kann sich noch ändern (will sagen, er kann die Eierchen noch kriegen).
Wir pusseln ansonsten so vor uns hin, die Bauersleute wollen nächste Woche wieder fahren, ich zähle also schon rückwärts, bis dahin werde ich wohl mit meinem Homöo-Psychopharmakon noch durchhalten…
Und noch ein paar Zahlen aus XXL-Kanada: Eben flog ein kleines Flugzeug über mich hinweg, als ich vom Briefkasten kam. Da fiel mir ein (falls ich es noch nicht erwähnt hatte): der Bauer Balisky, just down the road, hat eine eigene kleine Landebahn. Und er ist natürlich nicht der einzige hier.
- Ein Bruder eines Nachbarn fliegt Helikopter, zwar auch gegen Geld, aber auch zum Vergnügen.
- Zwei Brüder desselben Nachbarn (er hat glaube ich ca. 1000 Geschwister) fahren Speedboats (nur zum Spaß), für die eine Tankfüllung derzeit 800 Dollar kostet.
- Wir haben letzten Monat kleine 1260 kWh Strom verbraucht - da kommt Freude auf. Und das war noch nicht der Monat mit dem höchsten Verbrauch, das war der Januar, mit über 1500 kWh.
- Aufgrund der BSE-Krise vermutete jemand neulich, dass in unserer relativen Nähe in diesem Jahr ca. 100 Quarter Sections Land zum Verkauf stehen werden, das sind 6400 Hektar. Gerechnet wird mit einer riesigen Pleite-Welle, weil die Grenze zu den USA immer noch geschlossen ist und die Beef-Bauern einfach nicht mehr können. Das könnte unser Glück sein, weil womöglich auch schönes (oder gutes) Land günstig zu haben sein wird.
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