Hab total vergessen, ob ich von meiner neuesten Begeisterung überhaupt schon hier öffentlich erzählt habe. Egal. Hier kommt’s.
Letztens gab’s ja das Foto von der Alpakawolle, vielleicht erinnert ihr euch. Und das bekomme ich, säckeweise, wenn Gereon Schafe scheren war.
Theoretisch müsste ich das sortieren, aber weil ich bestimmt 6 oder 8 Säcke voll hab, such ich mir was raus und wasche es. Dann sieht es (im Vergleich) so aus:
Kommt ein ungeheurer Dreck raus, ist angeblich ein prima Dünger. Danach wird die gewaschene Rohwolle getrocknet und dann fängt der Spaß an:
Ich zwirbele die Wolle büschelweise durch dieses Maschinchen, (einen Drum Carder, Trommelkardierer, keine Ahnung, wie das auf deutsch heißt), das mir reizende Kunden meiner Bücherei einfach so geliehen haben, weil sie es nicht nutzten. Inzwischen weiß ich, dass mal locker 250 Dollar wert ist! Aber das muss man diesen Kanadern hier lassen - großzügig mit sowas sind sie. Denn ich habe von den netten Morrisons auch ein anderes Kardier-Teil bekommen, so eine Art Pultkardierer, außerdem von anderen Nachbarn natürlich noch das unerlässliche Spinnrad (!) und noch mehr Handkardierer.
Wenn das dann jedenfalls durch das Maschinchen gedrimmelt wurde, kommen hinten reizende Puschelbärte raus, UND wenn ich die dann in Drink Crystals, so ein Getränkepulver (würde ich nie trinken!) koche, dann werden sie so wie rechts die auf der Leine. Isses nicht schön? 
Ich hab einen Riesenspaß an diesen Wollpuscheln, hab auch schon schwarze in Alpaka, kann mich nur noch nicht entscheiden, ob ich sie verfilze oder verspinne. Davon dann mehr im nächsten Kapitel - vielleicht.
Zuletzt noch ein kleines Zicklein-Update: Klein-Nurejew (die Kleinen haben keine Namen, nein, keinesfalls, weil sie ja nicht bleiben sollen/können) übt schon Dehnen und Spitzentanz mit Mama als Balken:
. Und man sieht, wer alles “Hier” geschrien hat, als der liebe Gott die Ohren verteilt hat 
Monthly Archive for July, 2005
Wie bereits erwähnt, gehe ich Donnerstags auf den Farmers Market nach Valleyview. Nach zwei sehr guten Verkaufstagen war der heutige Tag nicht ganz so erfolgreich, dafür aber (wie auch die vorigen) hochinteressant und auch amüsant. Neben den zwei Hutterer-Kolonien (die sich übrigens hier “Hutterite Brethren” nennen), die natürlich zum Fahren und Schleppen Männer dabei haben, weil sie Unmengen Gemüse und Backwaren und zu dicken Klötzen gefrorene Hühner im Sechserpack verkaufen, sind die Marktbeschicker nämlich MarktbeschickerINNEN. Direkt neben mir stehen Virginia und Jean. Virginia verkauft Backwaren, Handgestricktes und Handgequiltetes. Jean verkauft Watkins-Gewürze. Virginia ist klein und zierlich, hat kurze graue Haare und in den letzten drei Wochen erfuhr ich, dass sie verwitwet ist, 73 Jahre alt, einen Saskatoon Orchard hat, die ganze Woche backt, um die Sachen für den Markt fertig zu kriegen, daneben aber - und das finde ich bewundernswert - auch noch Brandholz macht UND VERKAUFT. Das sei ihre Exercise, sprich ihre Leibesübung. Telefonieren tut sie nur, wenn sie dabei auch häkelt oder strickt, sonst findet sie es arg vertane Zeit. Wir haben gerade mal so überschlagen: Ich glaube, sie verkauft innerhalb von etwa 2 Stunden etwa 1 Dutzend Pies, bestimmt 40 Sechserpacks mit Zimtschnecken, Käsebrötchen oder anderen Brötchen, und bestimmt 20-30 Tüten Kekse aller Art. Alles im Hausfrauenherd in ihrem Mobile Home (einer Art Wohncontainer) hergestellt. Vier Söhne hat sie und jede Menge Enkelkinder.
Neben Jean steht eine alte Dame, deren Namen ich leider vergessen habe und die haarsträubende Häkel- und Stricksachen verkauft. Doch hier gilt: Dabeisein ist alles. Sie hatte mir gleich beim ersten Mal erzählt, dass sie zum Markt komme, weil sie sich sonst langweile. Verkaufen tue sie nicht viel (versteh ich gut!) Heute erfuhr ich, dass sie 13 Kinder hat und 89 (!!) ist.
Vorige Woche lernte ich Erna aus der Lüneburger Heide kennen, die in den 50er Jahren nach Kanada kam und nie wieder nach Deutschland konnte, weil “never no money”, nie kein Geld nich. Erna ist anscheinend geschieden, muss ja auch mal bestimmt Mitte siebzig sein, hat aber immer noch 80 Kühe, die sie irgendwie alleine managt. Erna sagte mir meinen neuen Lieblingsspruch: Eine gute Kuh deckt alle Armut zu. (Ziegen gelten auch, sagt sie!)
Und heute noch eine entzückende Geschichte von einer alten Dame (ich schätze auch mal, um die Mitte siebzig). Mariette heisst sie, lebt allein, obwohl sie eigentlich versorgt werden müsste, und hat zwei Kühe, die sie draußen anpflockt. Neulich rief sie aufgeregt bei Virginias Nachbar an: Da sei ein großer Vogel, der ihre Kühe total verrückt mache, sie wisse nicht, was das sei. Die Nachbarn rätselten, machten verschiedene Identifikationsvorschläge (Reiher, Adler, Truthahn), doch Mariette war sich sicher, es sei keiner der üblichen Vögel. Dieser hier sei riesig, und wenn er den Kopf nach unten beuge, sehe sie immer noch seinen Körper. Die Kühe seien völlig verschreckt. Also brausten die Nachbarn los, um die Lage zu prüfen und fanden - einen EMU! Kein Wunder, das sowohl Mariette als auch die Kühe verworren waren. Der Emu wurde dann cowboymäßig mit Hilfe eines weiteren Nachbarn, der das Lariat zu schwingen wusste, eingefangen.
Diese Frauen finde ich wirklich bewundernswert. Und ihr teilweise biblisches Alter gibt mir Hoffnung. Ich habe mir nämlich schon ausgerechnet, dass, wenn ich z.B. 80 Jahre alt würde und ab sofort jedes Jahr zwei Ziegen decken liesse mit im Schnitt 4 Jungen pro Jahr, ich dann doch nur maximal 120 Ziegen hätte. Ist doch gar nicht soviel, oder? Das würde einem die hässlichen Entscheidungen abnehmen…
Virginia übrigens erschiesst ihre allzu blöden Hunde natürlich selbst, sagt sie. Musste sie schon zweimal machen, waren einfach total unbrauchbar… Auch das unbotmäßige Schwein, dass ihr den Garten wiederholt umpflügte, brachte sie selbst um die Ecke und verwurstete es, weil ihre Kinder nicht schnell genug bei der Hand waren…
Ich ernte inzwischen wie doof aus dem Garten, plötzlich scheinen alle Kohlköpfe gleichzeitig fertig sein zu wollen. Ist vielleicht nicht dumm, denn die Kohlweißlingsraupen müssen, den Löchern nach zu urteilen, irgendwo schon heftig scharren. Ist nichts Besonderes, so ein Weißkohl, aber ich bin schon ganz schön stolz und froh, dass alles so prima wächst. 
Und unser Honig wurde auf dem ersten Farmers Market häufig für Butter oder zumindest doch für Honeybutter gehalten. Man matscht hier gern was unter den Honig. Und jedes Mal fragten mich auch Kunden, wie denn der Löwenzahnhonig hergestellt werde. Sie sind irgendwie der irrigen Ansicht, dass wir da was mit tun, um den “löwenzahnig” zu bekommen. Die wenigsten wissen, dass die Bienen dass halt so machen, wenn nur Löwenzahn da ist. 
Soviel also für heute von der “Honey Lady”, wie man mich zu meinem großen Vernügen inzwischen auf dem Markt nennt.
So, liebe geduldige Leserschaft, so es euch denn gibt: endlich geht es hier weiter. In mehrerer Hinsicht. Zuerst einmal habe ich den Computer ans Laufen gebracht, habe kühn ganz allein ein Antiviren-Programm UND eine FIREWALL (auweiah) installiert. Das hat nun zu permanenten Warnungen der Firewall geführt, soll uns aber nicht weiter stören. Auch vier nicht reparierbare Viren wurden bereits wieder entdeckt, soll mich jetzt auch mal nicht stören. Auch kann ich mit Opera nicht in den Blogger - das muss aber dann wohl an Opera liegen, soll uns auch nicht stören.
Jedenfalls ist es himmlisch, ich bin schon wieder seit Stunden online, und der arme Herr Hö. kommt dann gleich etwas kurz. Allerdings donnert es gerade kräftig, und so mag die Sitzung bald ein Ende finden.
Zu melden gibt es so einiges. Das Wichtigste für die, die es noch nicht gehört haben: Unser Einwanderungsantrag ist durch! Ganz unfeierlich bekamen wir über unseren Einwanderungsberater eine Mitteilung der Botschaft in Buffalo, dass die Bearbeitung beendet sei und man nun - wer hätte das gedacht - noch einmal einen dreifachen Satz Fotos (Runa tippt auf ein Album, das die dort anlegen) und unsere Pässe gern hätte. Haben wir alles erledigt, fleucht derzeit per Express quer durch Kanada. “Oh Canada” ist übrigens (natürlich) der Beginn der kanadischen Nationalhymne, die man leicht vor sich hinsummt, zumal man hier ja gar nicht diese Probleme mit Nationalitätsbewusstsein hat wie in Deutschland häufig angetroffen. Überhaupt nimmt man ja vieles leicht, nur die Behörden und die Vorschriften, die werden streckenweise widerlich ernst genommen. Verstehen muss ich das alles nicht, und ob ich wirklich kanadisch werden wollte/könnte, weiss ich auch noch nicht. Irgendwie spinnen sie, die Kanader!
Dennoch haben wir uns natürlich in letzter Zeit wieder intensiver mit Landkauf beschäftigt. Wird aber wohl so schnell doch nichts werden, weil Rolf und Judy tatsächlich die Absicht haben, unsere 2-Jahres-Vereinbarung komplett zu nutzen und im Dezember nach Deutschland zu fliegen. Gereon versichert mir optimistisch, dass wir dann aber nicht mehr hier wohnen müssen, sondern theoretisch schon Ende Oktober etwas anderes suchen/finden könnten. Hoffentlich!
Weitere Neuigkeiten betreffen einen himmlischen neuen Hühnerstall, den die Ziegen gleich mal bautechnisch abnehmen mussten
und der dann mit spannender Millimeterarbeit zwischen die Bäume in den Wald geschleppt wurde
Bezogen wurde er dann von unseren 20 neuen Legehennen. Unsere vorjährigen Damen, 6 an der Zahl, hatten das Legen ja aufgehört, jedenfalls in den Stall. Norwin, Sohn der Bussemeiers, fand allerdings kürzlich mal wieder ein Nest mit etwa 20 verwaisten Eiern. Egal, inzwischen steigt die Produktion wieder, und das ist gut so.
Und noch zwei Neuzugänge gab es in den letzten Wochen, nämlich Billy 1
von Odette, und ganz die Mama (schubst schon und ist distanzlos) und Billy 2
von Tallulah, auch ganz die Mama (und der halb nubische Papa): spricht immer und lässt sich höchst ungern anfassen.
Inzwischen war ich schon zweimal auf dem Farmers Market in Valleyview und bin ganz begeistert. Gestern habe ich für deutlich über 200 Dollar Honig umgesetzt, in einer vergleichsweise winzigen Stadt und innerhalb von 5 Stunden, von denen aber nur etwa 3 wirklich aktiv sind. Das gefällt uns sehr, und wir überlegen kräftig, was wir den Kunden jede Woche Neues bieten können. Gestern war der Knüller die echte Honigwabe, in die Kinder ihre Finger stecken und die dann ablecken konnten. Das führte zu erstaunten und begeisterten Gesichtsausdrücken und diversen “Yummieh”-Rufen. Als nächstes hoffen wir, Honigkuchen backen und verkaufen zu können. Irgendwo muss das Geld schließlich herkommen.
Natürlich kann ich ab sofort auch wieder täglich Emails mit den neuesten Nachrichten aus Oberberg und von sonstwo erhalten, dies nur als kleine “Gedankenstütze”…
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