Monthly Archive for March, 2006

Procrastination

Das heißt “Verschleppung”, und ich verschleppe gerade die Steuererklärung. Steuererklärung in CDA ist genauso scheusslich wie Steuerklärung in D. Statt also Milliausen von Miniatur-Belegen zu verbuchen bzw. erstmal chronologisch zu sortieren (nein, ich weiß nicht, warum ich das nicht gleich nach Erhalt tue, und ja, ich weiß, dass das viel einfacher wäre - still also!)
also, statt zu sortieren, fummele ich mit Photoshop rum, was mir aber auch keine Freude macht, weil ich es einfach nicht blicke. So bekommt ihr nunmehr eine experimentelle Collage, mit einem Bild, was es bereits gab.

Sinn der Übung ist es, einen Eindruck vom Neuland (wer hätte das gedacht?) zu vermitteln. Womöglich hatte ich irgendwo bereits erzählt, dass es auf dem Luftbild so aussieht, als hätte jemand Doughnuts verstreut. Hier also das Luftbild (von vor etwa 30 Jahren, Biberteich ist unverändert!) und dazu nochmal das Bild vom Biberteich. Der orangene Kringel unten deutet an, wo wir zu bauen hoffen. Man muss sich vorstellen, dass der Teil unterhalb der Straße, die sich wie ein Bogen unten durch das grün umrandete Grundstück zieht, 40 Acres gross ist, also 16 Hektar. Das könnten wir eventuell verkaufen. Dort steht relativ uninteressanter, weil noch recht junger Wald. Auf dem Bild kann man vielleicht erkennen, dass vor 30 Jahren da noch oder gerade mal nichts stand, weil es wohl abgeholzt worden war.
Der Platz, auf dem wir bauen wollen, befindet sich praktisch auf einem Doughnut-Rand. Diese Doughnuts darf man sich vorstellen wie Kraterchen, mit Durchmessern von +/- 100m und einem Höhenunterschied zwischen Doughnut-Rand und Lochmitte von bis zu 2 m, schätzt der Herr Hö. Entstanden sind sie wohl im Zuge der Eiszeit, als Riesen-Eisbrocken, in denen natürlich bereits Bodenbestandteile eingefroren waren, schmolzen, sich die Erde um die Brocken ansammelte, während da, wo es mit dem Schmelzen am langsamsten ging, eine kleine Vertiefung entstand. 800 x 1600 m die grüne Linie. Wer sich ein Ferienhaus bauen wöllte, unten auf dem Teil, der könnte das sicher machen. Bis zum Snipe Lake sind es - sozusagen nach unten rechts, also Südosten - 1,5 km Luftlinie, zu Fuß und über die Road Allowance etwas mehr. Ach ja, und der rote Pfeil zeigt natürlich, wo wir stehen.

Und ganz ehrlich, im Moment weiß ich noch gar nicht so richtig, wie es alles gehen soll. Mit einer Baustelle über 100km entfernt, zwei Jobs und ab Mai wieder zu melkenden Ziegen ist man nicht so dolle flexibel. Und was mir im Moment das wichtigste ist, nämlich das Anlegen des Gemüsegartens, wird sicherlich kein Spaziergang, denn es gibt sicherlich kaum ein Flecken auf dem Grundstück, es sei denn im Biberteich, wo KEINE Baumwurzeln sind. Spannannend! Also, ich mein’, wenn jemand Arbeitsurlaub machen will, root-picking, was hier die Bauernkinder ganz besonders LIEBEN, und derlei Dinge mehr, der kann gern kommen. Primitivste Unterkunft wird eventuell gestellt, Essen gibt’s immer, das ist wenigstens beruhigend.

Andererseits, manchmal spinne ich vor mich hin und überlege mir, dass manche Bäume Namen haben müssten (darf man das sagen, ohne Gefahr zu laufen, eingesperrt zu werden mit langen Ärmeln und gepolsterten Wänden?) Man könnte schöne Dinge in die Äste hängen, mit dem Billie als Schutz-Billie spazierengehen, Pfaden folgen, wo das Wild schon seit ewigen Zeiten immer herzieht, Elchbetten finden (hoffentlich ohne schlecht gelaunte Elche im Halbschlaf), Biber beobachten. Man könnte ein Trüppchen Schweinchen die Wurzeln ummachen und somit neuen Grund für das bessere Keimen von Fichten schaffen lassen (DAS ist Gereons Idee, ehrlich, das habe ich nicht erfunden - aber ich täte mich nicht beschweren, und wenn schon, dann hätte ich gern bunte Schweinchen. Kings haben gerade Ferkel, rot mit schwarzen Tupfen und weißen Blessen…)

So wechselt meine Stimmung zwischen Bedenken, ob und wie das alles zu schaffen sei, und großer Vorfreude auf all die von Menschenfuß kaum oder nie betretenen Pfade. Der Herr Hö. ist optimistisch wie immer, das ist beruhigend. Das Mantra ist (wenn ich bange werde): Wir schaffen das.

Ach, hatte ich erwähnt, dass Norweger-Pferdchen, von denen ich so vor mich hin träumte, weil sie mir nicht so groß sind wie dicke Percherons, hier Exoten und dementsprechend teuer sind? Mist! Ich habe Preise gesehen um die $5000 pro Stück, plus $1000 pro Geschirr. Und darf ich aber auch erwähnen, dass Ochsengespanne eine hoch interessante Alternative sind, bzw. dass ja auch Kühe angespannt werden können… Über die Konsequenzen solcher Gedanken wollen wir jetzt nicht laut spekulieren. Ich sage nur, dass ich Bilder von sehr hübschen Jersey-Gespannen gesehen habe. Wer sich interessiert, schaue hier bei dieser Organisation
Ja, das gibt es auch noch!

Und falls jemand Google Earth hat, so könnte ich auch Placemarks schicken - ein interessantes Programm.

Snipe Lake it is!

Nun sieht es so aus, als ob das Grundstück am Snipe Lake tatsächlich unser nächstes Abenteuer wird. Deswegen hier für die Interessierten (wer will teilnehmen am Kurs „Das Blockhaus als Spiegel der Seele“ ??) noch mal ein paar Bilder.
Dies wird der Bauplatz, glaub ich Sehen tut man noch nicht viel, haha, aber es gibt schon eine Zeichnung auf dem Zeichenbrett und Umrisse, die rumgeschoben werden, jawohl.
Schneeengel auf dem Biberteich musste sein Damit die Biber nicht weiter schöne dicke Bäume umschmeissen, nur um die Kronen zu fressen , plant Gereon, den Bibern die Kronen der Bäume zu geben, die wir verwenden wollen. Bin gespannt! Diese Dicken würden wir aber natürlich stehen lassen, irgendwo muss ja die Wäscheleine und die Hängematte hin… Obwohl, die sind sicher fast 200 m vom geplanten Haus weg. Allein die vorgeschriebenen Abstände zur Straße sind lustig. Man muss 41 m von der Straße weg sein mit dem Haus. In Deutschland sind da viele Grundstücke ja längst zuende. Wenn man aber diese Abstände einhält, scheint sich niemand für Dachneigung, Haushöhe, N-S-Ausrichtung etc. zu interessieren. Hauptsache, man leert die Abwassergrube nicht auf das Nachbargrundstück.
Irgendwo hatte ich was von 320 Hektar geschrieben - das war gelogen, es sind 320 Acres, was etwa 130 Hektar sind. Nun bin ich in Kontakt mit diversen Umweltorganisationen, um Erhaltungs- und Fördermaßnahmen zu besprechen. Auch um eine Bio-Zertifizierung wollen wir uns bemühen. Pläne gibt es ausreichend, an Arbeit wird es nicht mangeln - als ob wir uns jetzt langweilen würden! Auch ein Birkenwäldchen (eines von mehreren) haben wir entdeckt, in dem sich ein Tipi prima machen würde. Ich habe beschlossen, dass das der Schlechte-Laune-Pratt-Platz werden könnte und stellte mir schon vor, wie Gereon am Telefon sagen könnte: Meine Frau ist leider gerade nicht hier, die prattet im Birkenwäldchen. Wär doch schön!
Die Nachbarn heißen Huber und McDonald, man würde auf Bayern und Schottland tippen.

Ordnungsgemäße Abenteuer

Nun ist also der Uli hier, und erst liessen sich doch wirklich die Elche lumpen, sprich: nicht sehen. Doch dann kooperierten sie brav, kaum zog er alleine los. Frau Elchin gleich um die Ecke hier:
Natürlich mussten wir den Uli auch schon zum Wunschland schleifen, ausgerüstet mit neuen Klapp-Kombi-Finger-Fausthandschuhen (gibt’s laut Uli nur in Kanada!!!) konnte da auch gar nix schiefgehen Und damit hier keiner denkt, Biberburgen sind ein bisschen größer als Maulwurfshaufen, haben wir für euch mal den Uli daneben und dadrauf gestellt, als Streichholzschachtel sozusagen
Zwischendurch darf der Uli auch wieder selbst knipsen, dann wundert sich Tallulah so sehr, dass ihr die Augen untergehen
Und schließlich gab es schon wieder Hundefutter, wir ersparen euch hier die Anatomie-Serie, die der Uli auch gemacht hat, und lichten nur den Pansen ab, um den sich die Hunde zanken wollten (Nini hatte eine leichte Kehlkopfreizung, nachdem Annie sie anscheinend mal sich zur Brust genommen hatte - gar nicht so schön).
Was leider nicht fotografisch festgehalten wurde, war das Haus, was uns heute auf einer Nebenstrasse auf einem Tieflader entgegenkam. Hier ja nicht ungewöhnlich, war es für Uli doch eher neu, und er wunderte sich ein wenig, ich glaube, vor allem darüber, dass WIR anhielten, der Tiefladerfahrer jedoch unbeirrt weiter auf die Pinne trat. Tja, wer bremst, verliert, das wissen die hier auch!

Der Uli spinnt schon!

Dies wird geschrieben unter besonderer Berücksichtigung der Anliegen und Bitten von Frau Claudi und Anna.
Also: Jawoll, der Herr Uli ist heile angekommen, sein Koffer leider IMMER NOCH NICHT! Na ja, Kanada halt. Jawoll, ich wurde gedrückt (allerdings ohne Absender, aber nun weiß ich es ja) und jawoll, der kleine Hund wurde bereits durchgewurschtelt. Heute wurde auch der große Hund vom Herrn Uli spazierengeführt, weil nämlich das Wetter kanadisch blau-schön ist. Und ich arbeitete und der Herr Hö. arbeitete und der Bus kaputti ist und so der Uli festsaß.
Aus der braunen Wolle will ich einen Pullover stricken, irgendwann mal, wenn ich genug habe. Ich habe ja aber noch VIEL mehr Wolle. Der Uli hat sich schon eingehend und technisch erkundigt, und so haben wir ihn gleich drangesetzt. Sehr hübsch, gelle? Leider hatte er noch keinen Einfluss auf die Drehrichtung des Rades und verursachte gleich ein kleines Chaos auf meiner heiligen kleinen Spule, deswegen musste ich ihm das Spinnrad für den Moment wieder entziehen. Wenn er aber mal das Treteln geübt hat, dann lerne ich ihn wirklich an. Und wenn er dann mindestens so gut wäre wie ich (was nicht gut ist), dann dürfte er Sassy spinnen Das Niedliche ist nämlich, dass die Verkäuferin der Vliese sie teilweise mit Namen versehen hat. Das Schwarze, was im Moment auf dem Spinnrad ist, ist also Lisa’s Black Shetland Lamb, und Sassy ist Sassy eben, auch Shetland, glaub ich. Zurück zum Uli: Das Ergebnis, wenn er denn wirklich spönne, könnte dann ungefähr so aussehen

Und zurück zur Frau Claudi und Anna: Herzlichen Glückwunsch zum Zeugnis - wobei, einsen in Mathe, die sind mir persönlich ja unheimlich. Nomaal ist das nämlich nicht, oder?
Wir geloben mehr Fotos, morgen geht es auf den Farmers Markt und wir hoffen, Ersatzteile für das Auto zu finden.