Hier (will sagen, in Nordamerika) scheint es unter Bloggern die (Un)sitte zu geben, sich zu “definieren” mittels einer festgelegten Anzahl von Informationsschnipseln. Mal sind es 13 jeden Donnerstag, mal sind es 100 im Profil oder jede beliebige Kombination dazwischen. Heute spiele ich auch mal mit.
1. Neulich gesehen im Supermarkt: eine Art Eieruhr. Englische Beschriftung: Eggtimer. Franzoesisch: Oeufmatic - wundervoll!
2. Gestern abend gegen 20:15, waehrend ich mit einer Bekannten noch in der Buecherei stehe, kommen draussen vor derselben zwei Reiter auf dem Buergersteig vorbei und gruessen freundlich aus dem Dunkel - that’s Alberta for you!
3. Soeben kommt eine junge Frau hier in die Buecherei, identifiziert sich als eine “Zug’reiste” aus New Brunswick und bittet um etwas Internet-Hilfestellung. Ich identifiziere mich als ebenfalls “Neue Albertanierin” aus D. Sie fragt: Sind Sie den ganzen Weg mit dem Auto gefahren? Noch Fragen? (Hanna B. weiss, dass man nicht den ganzen Weg mit dem Auto faehrt, hat doch die Lehrerin in der Schule ihrer Soehne den Kindern erklaert, dass das viel zu lange dauern wuerde. Immer noch Fragen?)
4. Unsere Kueche hat jetzt eine Terrassentuer!
5. Wir sind darueber hinaus im Besitz eines kleinen Solarpanels mit diversem Zubehoer, u.a. Ladegeraet fuer die Kamera-Akkus. Es gibt Hoffnung.
6. Der Kater koennte “Glauser-Mauser” heissen oder auch “Fakir”, weil er gern bei der Jagd nach Motten und schlaefrigen Wespen todeskuehn zwischen 3-6 brennenden Kerzen hindurch ueber den Kerzenleuchter klettert, dabei in der Mitte pausiert, bis ihm das Fell angesengt zu stinken beginnt und Gereon ihn weiterschiebt (weil unsere Nerven nicht so gut wie die Kater-Nerven sind).
Monthly Archive for September, 2006
Also, nun habe ich doch etwas Bedenken, nach Oncles Kommentar und einigen emails: Es ist nicht so schlimm, wie es sich vielleicht liest. Es IST sehr anders. Und auch sehr schoen. Der Sternenhimmel ist “priceless”, es riecht immer lecker, nach feuchtem Busch und nach Holzfeuer, und wenn ich gleich von der Arbeit komme, nach Haehnchen im Braeter (den ich, liebe Anette und Stefan, immer mehr zu schaetzen weiss!!!). Gereon schlachtet naemlich so nach und nach die widderlichen Vielkraeher - schliesslich will man im Wald auch mal seine Ruhe haben. Dennoch haben wir immer noch die bunteste Huehnermischung aller Zeiten, hochinteressant. Es gibt Dorisses (Days, wegen ihrer blonden toupierten Haarfrisur), es gibt welche mit Puschelhosen, ein ganzes Sortiment fast klon-artig aehnlicher Kueken und jede Menge mit Puscheln auf dem Kopf, was uns zeigt, wie fleissig der kleine weisse Seidenhahn ist - wenn ihn nicht der dicke Chefhahn scheucht. Ein Kueken scheint allerdings dem Sperber zum Opfer gefallen zu sein.
Zora hat beschlossen, das mit dem Wachhundjob dranzugeben. Sie schlaeft einfach, bestenfalls geht sie noch zum Eingang des Stangengebaeudes und scheint zu gucken, was der kleine Hund meint, aber der schlaeft ja fest im Schlafsack im Camper - also Bellen Fehlanzeige. Letzte Nacht war es sehr lustig: Ein Kojoten-Trueppchen kam offensichtlich die Strasse lang. Den Geraeuschen nach hatten sie in einer Kojotenbar kraeftig einen getankt, ihr Gesinge wurde immer schraeger und lauter, je naeher sie kamen (zu und zu schade, dass wir das alles nur hoeren, aber nie sehen koennen). Zora schwieg. Ploetzlich brach auch der Kojoten-Chor abrupt ab, bis auf zwei Beschwipste Nachsinger. Da hoerten wir den kleinen Hund zornig aus dem Camper klaeffen - schliesslich gibt es eine Sperrstunde, und die hatten die Jungs offensichtlich ueberschritten. Sowas kann der kleine Hund nicht durchgehen lassen :-)) Und das beeindruckt sogar besoffene Kojoten. Zora jedoch schwieg weiter… und ging wieder in ihr Bett, was aus einem Stapel noch nicht untergebrachter Klamotten besteht. Ihre gemuetlich ausgestattete Hundekiste verschmaeht sie.
So bin ich nun etwas intensiver auf der Suche nach einem Hof-Wachhund - was gaebe ich fuer einen schoenen, charakterfesten Hovawart. Doch das gibt’s hier nicht. Immer mehr liebaeugele ich mit den grossen weissen: Pyrenaeenberghunden, Akbash, Maremma, Komondor, sowas. Wenn sie mir nicht auch immer ein bisschen Angst machten. Und 10 Ziegen eigentlich viel zu wenig fuer deren Kapazitaet ist. Mal schauen. Der Nachbar hat Komondor-Pyrenaeen-Bordercollie-Mixe (jeder mischt hier ja, so gut er kann). Aber er sagt, die bellen viel. Will man ja auch nicht, nur Geklaeffe. Und wandern soll es nicht, das will Gereon nicht. Ausserdem ist der Verkehr selbst fuer ein bisschen wandern zu gefaehrlich.
Meine Kueche hat inzwischen 2 Fenster, sieht richtig niedlich aus. Allerdings immer noch nur eine Wand. Doch manchmal gibt es auch prima Sachen, so kanadische, meine ich. Den kaputten Kompressor fuhr ich zurueck in die Stadt, ohne natuerlich den Beleg gefunden zu haben, und er wurde mir anstandslos ersetzt, gegen eine kleine Draufzahlung, fuer die ich einen etwas groesseren mitgebracht habe, den Gereon sowieso viel lieber haben wollte, und so wird nun wieder fleissig getackert und genagelt. Gestern aber ist uns dann der Sprit fuer den Generator ausgegangen, d.h. eigentlich fuer den dicken Truck, auf dem Weg zum Sweathouse Tower, einem Waldbrand-Wachturm. Wunderschoen gelegen. Mussten wir aber den Kanister anbrechen, der eigentlich fuer den Generator war. Nun habe ich noch zwei Kanister gekauft. Das sind jetzt so die Prioritaeten: Holz fuer den Ofen (der prima waermt), Sprit fuer Generator und Autos, Handy-Batterie geladen halten, Lebensmittel baerensicher verstauen, Milchgeschirr so sauber wie moeglich halten, Tiere satt und getraenkt halten, uns selbst warm halten und trocken, wann immer moeglich. UND: haushalten mit dem Tageslicht. Man lernt schnell, was alles nicht mehr gut geht, wenn es kein Licht gibt, bzw. nur Kerzen, die im Wind leider bloede flackern. So gehen wir jetzt etwas frueher ins Bett und stehen nicht so ganz frueh mehr auf, nuetzt ja nix - und ist sehr gemuetlich. Ach ja, und gern essen wir auch dreimal taeglich warm, schadet nix, haelt Leib und Seele zusammen und waermt.
Natuerlich sind wir wahrscheinlich inzwischen bekannt wie die bunten Hunde. Jeder, mit dem ich spreche, weiss von uns, als den Leuten, die “in einem Zelt wohnen”. ich sag dann immer, wir wohnen nicht in einem Zelt, weil, ein Zelt hat Waende, und wir haben keine. Ich stelle mir immer vor, wie sie ueber uns reden, die bekloppten Deutschen, denken, sie koennen was Kanadisches machen. Wir sind guter Hoffnung, dass am Wochenende der isolierte Raum fertig ist, und dann kommen die weiteren Waende fuer die Kueche, und dann kommt - oh Segen der Zivilisation - hoffentlich das Outhouse. Sogar Gereon beklagte sich heute morgen, als er mal wieder mit dem Spaten in den Busch zog. Ich hab mich inzwischen prima gewoehnt, man mag gar nicht mehr so ein muffiges Klo besuchen… Doch wind- und regendicht, eventuell sogar beleuchtet - das waer schon nett!
Schoen ist auch, faellt mir gerade ein, dass jetzt Gaense und Kraniche ziehen - zu Hunderten. Faszinierend. Unter den Gaensen habe ich neulich auch eine Gruppe (schneeweisser, logisch) Schneegaense gesehen, sehr huebsch.
Leider hab ich die Ladegeraete immer noch nicht gefunden. Daher nach wie vor keine Bilder. Und leider verlaesst mich am Freitag mein Spinnrad - die freundlichen Ausleiher wollen es selbst nutzen. Dann hab ich noch die Spindel, das geht auch. Hab sowieso keine Zeit fuer so’n Schnickschnack (leider!).
Seit mehr als 14 Tagen campen wir nun schon draussen im Busch. Inzwischen sind die Akkus fuer die Kamera leer, das Ladegeraet kann ich nicht finden - wer haette das gedacht? Anabel ist wieder in Deutschland, gar keine gute Idee
Sie weiss naemlich ungefaehr, wo alles ist, Hueterin der Lagergeheimnisse sozusagen. Den Computer durfte ich dann auch doch nicht in der Buecherei anschliessen, so dass ich auch keine Bilder hochladen kann, die ich noch in peto hatte. So gibt es fuer die Lesewilligen einen kleinen Wortbeitrag, geschrieben waehrend der Zeit, die ich mir hier zwischen den Buechern stehle.
Gereon baut fleissig, so viel er kann. So gibt es himmlische Ziegenzaeune, die Kueche wird weiter ausgebaut, und im Stangenhaus ist eine Ecke abgetrennt. Das wird naemlich wohl doch unser Winterquartier werden. Nicht so ganz prima, aber machbar. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Freuden des Wintercampings bekamen wir am Donnerstag. Schon Mittwoch war Schneeregen im Wetterbericht, und der kam dann auch prompt am Donnerstag frueh, tatsaechlich mit weissen Flecken ueberall. Hinzu kam ein haesslicher Nordwind, der machte, dass die Ziegen beim Melken vor lauter Zittern den Melkstand zum Beben brachten - nicht schoen! Daraufhin hat Gereon kuechentechnisch einen Zahn zugelegt, und dabei ist der Kompressor in die Knie gegangen. Auch nicht so wirklich schoen. Nun wird wieder von Hand genagelt. Die Ziegen sehen aus wie Eisbaeren, die jungen Leute beschweren sich lautstark darueber, dass Mamas Tallulah und Odette eine separate Abteilung bezogen haben. Wir finden das prima, denn seitdem ist Frieden. Die anderen Ziegen, sowohl die Leihdamen als auch Mafalda, sind friedlich, und Billy hat sie alle ganz dolle lieb, vor allem aber Mafalda! Diese spricht wie Guste!
Der Kater ist natuerlich wieder aufgetaucht und nervt uns nun nachts, aber nett. Er ist fein sauber und brav und uebt jetzt an unseren Haenden den Maeuselsprung. Eben habe ich von einer Ebenfalls-Camperin gehoert, dass es irgendwo eine mehr oder minder zugaengliche Dusche gibt !! Das werde ich mal ausbaldowern. Neulich habe ich mir in der Buecherei die Fuesse gewaschen - so leicht kann man 3 Pfund Gewicht verlieren, ein tolles Gefuehl, und ganz ohne Hungern!
Als ich heute morgen zur Arbeit in die geheizte Buecherei fuhr, zeigte das Thermometer am Auto plus 2 Grad, dazu leichter Nieselregen, muckelig! Inzwischen ist es auf 7 Grad gestiegen, doch der Regen ist auch mehr geworden. Wenn wir diesen Winter, der ja noch gar nicht angefangen hat, heile ueberstehen, kann uns wahrscheinlich nicht mehr so viel schocken. Aber die Nachbarn, die ruehrend besorgt um uns sind, haben uns schon Unterkunft angeboten, wenn es denn gar zu dolle wird.
So ist das also mit dem Extrem-Camping in Canada. Wer hatte gesagt, er wolle ueber Weihnachten kommen? Gern, herzlich willkommen, aber warm anziehen! Wenn wir genug sind, heizt es mehr! Der beliebteste Platz ist jetzt immer um den Ofen rum, dort halten sich auch Hunde und Huehner auf, die Huehner machen leider dabei immer Staub. So, jetzt Feierabend, schnell noch in die Waescherei, um wenigstens den Anschein von Sauberkeit aufrechtzuerhalten. Ausserdem bietet mir das Gelegenheit, ein paar Ruendchen zu spinnen, dazu komme ich sonst nur noch auf dem Markt, und der ist jetzt auch im Winterbetrieb, also selten.
Der Umzug ist geschafft, mit Mann/Frau und Maus/Ziege/Hund/Huhn. Maus, oh weh. Taeglich haben wir eine oder zwei im Wassereimer bei den Ziegen gefangen, versehentlich. Horden machen sich ueber uns her. So haben wir gestern, zusammen mit Mafalda, einen kleinen Kater bei Glausers eingepackt. Leider war er eben, als Anabel und ich zu einer Waschorgie in die Stadt aufgebrochen sind, schon verschwunden, nachdem er kurz vorher noch gemuetlich mit Gereon im Bett um die Wette geschnurrt/geschnarcht hatte. Hoffentlich taucht er wieder auf. Dann mach ich Bilder. Alles etwas schwieriger nunmehr mit der Logistik, aber das kriegen wir schon. Fotos sind nicht so die erste Prioritaet mehr. Wasser ist immer das heikelste und wichtigste, und als naechste Kuehlung. Ohne Kuehlschrank leben, das ist eine ganz andere Herausforderung, aber holla. Und es ist nach wie vor so warm, dass ohne Kuehlakkus praktisch nix geht und alles zerschmilzt.
Gereon hat uns eine Schlafempore im Stangengebaeude gebaut, das ist wunderbar - jede Menge Platz und frische Luft und das eigene, bequeme Bett (na ja, Matratze, aber dennoch). Zora liegt am Fusse der Leiter und beschuetzt uns nachts prima, d.h. sie bellt und dreht Wachrunden, wenn irgendetwas nicht so ganz nach ihrem Sinne ist. Wir sehen ja nix, ohne Strom ist es auch richtig echt dunkel nachts. Doch der Puester liegt so gut wie geladen neben dem Bett, und dabei die grosse Lampe, batteriebetrieben. Man muss sich also nicht wirklich Gedanken machen, nicht allzu viele.
Etwas schwierig ist noch die Wassersituation. Mit inzwischen fuenf Milchziegen und dem Billy und vier Ziegenkindern brauchen wir schon so einiges, und es regnet nicht. Also muessen wir fast taeglich jede Menge grosse Eimer und Behaelter bei den sehr hilfreichen Nachbarn Huber fuellen.
Da mir inzwischen zu Ohren gekommen ist, dass es wohl immer mal wieder Mitleser gibt auch hier in diesem fernen Lande, die sich unsere Seite dann maschinell uebersetzen lassen, frage ich mich, nach einem ausgesprochen amuesanten Test, was fuer ein Kuddelmuddel da wohl rauskommt. Es scheint naemlich so, dass die Informationen nicht immer so ganz korrekt rueberkommen - sollte mir auch recht sein.
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