Monthly Archive for June, 2007

Titel: Hab ich vergessen.

Der Sommer hat sich merklich abgekuehlt, dafuer kriegen wir immer mal wieder Wolken und Schauern, auch mal mit kleinen Gewittern. Das hat den Vorteil, dass ich praktisch ueberhaupt nicht mehr giessen muss. Die Moskitos finden dieses Wetter absolut paradiesisch. Sie sind so wild und blutruenstig, dass die Ziegen noch nicht einmal ihre neu eingezaeunte Waldwiese geniessen wollten, sondern lieber durch den Elektrozaun ausbrachen und wieder nach Hause rannten. Wir haben uns aber immer noch nicht fuer so ein Moskito-Killer-Dings entscheiden koennen – teuer und aufwendig, so scheint es uns. So bewaffnen wir uns abends mit Mosquito Coils, giftigen Raeucherspiralen, die die Biester recht zuverlaessig von uns abhalten. Und natuerlich muss man spruehen, giftig oder ungiftig, Hauptsache ueberhaupt. Tatsaechlich aber scheint man sich auch ein bisschen zu gewoehnen, will sagen, es juckt nicht mehr so dolle/lange, wenn sie einen unvermeidlich natuerlich immer irgendwo doch erwischen. Als kleine Zugabe kamen dann noch die Blackflies, winzige Fliegchen, die auch beissen, dabei aber freundlicherweise auch noch in die Kleidung krabbeln – was die Moskitos dann doch lassen. Na ja.

Dennoch findet unser Leben inzwischen meist im Garten statt, es ist ja endlos hell, und bei Temperaturen selbst um die 15 Grad kann man das gut aushalten. (Auch wenn Gerti in Australien dann den Wintermantel rausholt, wie sie mir neulich erzaehlte…) In den Beeten waechst alles zufriedenstellend, wenn auch nicht ueberwaeltigend ueppig. Das liegt natuerlich am recht schlechten Boden. Aber naechstes Jahr bekommt er jede Menge Mist, den Ziegen, Lama und Huehner brav produzieren. Gereon hat mir noch mehr Kaesten gebaut, in denen die Tomaten etwas geschuetzter dieser Tage wuchern sollen. Und Bohnenstangen – so was Vornehmes hat sonst bestimmt niemand: handgenagt von Billy und aus so genannter Diamond Willow (weiss nicht genau, warum Diamond, es bilden sich in dieser Weide solche Wucherungen um abgebrochene Aeste, das nennen die hier dann Diamond). Andere Leute machen daraus gruselige Gartenmoebel, wir eben Bohnenstangen. Und Erbsenreiser. Dann gibt es noch Birken-Rankgerueste fuer Tomaten und Gurken (ueber die dann auch bei schlechtem Wetter Schutzfolie gehaengt werden kann. Und Gerueste ueber dem urspruenglichen Fruehbeet, ebenfalls, um Tomaten ggfs. schuetzen zu koennen. Und am Sonntag kam dann die bisherige Kroenung an Gartenbaulichkeiten hinzu – das unvermeidliche Deck (jeder Kanader, der was auf sich haelt, hat schliesslich mindestens eins – da konnten wir doch nicht zurueckstehen!) Vorher war der Boden bestreut mit Brennholzstueckchen, es gab dicke Stammteile und ansonsten nicht viel, und der Drainagegraben stellte ein Verkehrsrisiko dar. Aber jetzt: Luxus pur!! Wir koennen wackelfrei auf Stuehlen mit Lehne sitzen, bei leichtem Regen dennoch draussen, die Hunde aalen sich schon in der Sonne, es ist hell, weil der Boden (noch sauber) reflektiert, und heute sind Gartentisch und –bank rausgezogen, wie es sich gehoert. Die Kueche hab ich nun umgeraeumt, das macht Spass. Der einzige Nachteil ist, dass ich jetzt wohl hin und wieder einen Besen werde einsetzen muessen – wie laestig.

Der erste Honig ist uebrigens geerntet und verkauft sich recht ordentlich, die Bienen haben gesammelt auf Weiden und Sumpfdotterbluemchen, die bei mir Ranunkelbluemchen heissen, weswegen ich finde, dass es auch Nunki’s Honig sein koennte.

fruehbeet_gedeiht.jpg mehr_tomaten.jpg gartenstrukturen.jpg noch_kein_deck.jpg neues_deck_2.jpg neues_deck.jpg

Nachsatz, eine Woche spaeter:
Inzwischen hat ein bzw. drei Hagelschauern an einem Tag mir zwar nicht die Petersilie, aber doch viel vom Salat verhagelt. Die Tomaten haben tapfer durchgehalten, aber rote Bete, Mangold und Schnittkoehlchen liegen noch recht flach. Werden sich wohl erholen, die Salaetchen aber bestimmt nicht, die sind pueriert. Muss ich neue machen…
Ich bin schlecht gelaunt, weil ich Stunden mit Telus, der Telefongesellschaft, am Telefon war, widerlich, ohne greifbare Ergebnisse, mit inkompetenten Mitarbeitern, einer nach dem anderen. Jetzt muss ich schnell in die Stadt, haha, fahren, um zu waschen und Internet und Emails zu erledigen, Huehnerfutter kaufen (Kuekenstand: 14!), Ziegenfutter kaufen, DENN (und das macht mich etwas froehlicher): am Freitag fahre ich mit zwei anderen Frauen fuer eine Woche nach Suedalberta, zu meinem Spinnkurs! Das wird hoffentlich wundervoll. Wir haben zusammen eine Studentenwohnung und sind fest entschlossen, uns bestens zu amuesieren, viel zu lernen und Dinge zu erwerben, die die Welt nicht braucht (ich will englische Wollkaemme, eine Nostepinne und noch eine Spindel, jawoll!)

Erst ist Winter ohne Ende…

… Und dann ist Sommer!
Vor etwas ueber einem Monat habe ich noch Schneebilder. Heute morgen habe ich dieses hier gemacht: schwalbenschwanz.jpg Auch die anderen Falter sind da, Blaeulinge, Trauermaentel, orange-farbene, deren Namen ich nicht weiss (das erinnert mich, dass ich unbedingt MEHR Bestimmungsbuecher kaufen muss.) Es ist hier doch noch eine ganz andere Welt als im relativ „zivilisierten“ DeBolt. Das merken wir vor allem an der Vielfalt der Voegel, die wir hoeren und/oder sehen.
Waehrend ich hier in der schattigen Kueche sitze und dies tippe, donnert es draussen: Die kleinen Ziegen knattern ueber das Kanu auf die Hundehuette und dann auf die Haube des Camper-Trucks – das macht offensichtlich irren Spass und den so begehrten perkussiven Laerm. Eine andere Beschaeftigung ist das Balancieren auf dem umgekippten Hunde-Transportkaefig. Den muss ich gleich mal retten. Eben haben sie ihrem Ruf alle Ehre gemacht: Waehrend ein Zicklein mit einer umgestuelpten Waesche-Muelltuete um den Kopf ungluecklich war (die Waesche war auf dem neu errichteten Boden des zukuenftigen Holzschuppens verstreut), oeffnete Odette erfolgreich eine neu erworbene Kiste mit 5“-Naegeln, nahm hungrig zwei in den Mund und sog sie ein. Nachdem ich ja einmal ein Eis am Stiel mit Stiel habe komplett in der Elsa verschwinden sehen, sind meine Nerven fuer derartige Instinkte und mein Vertrauen in die Urteilsfaehigkeit unserer Haustiere nicht mehr so dolle – ich habe die Naegel rausgezogen und die Kiste in Sicherheit gebracht. Sie wollte dann gleich die zweite Kiste oeffnen, waehrend ihre Kinder begannen, das ebenfalls neu erworbene Sperrholz anzunagen. Zwischendurch muessen natuerlich Boxduelle ueberstanden werden, wonach man dann hechelnd in der Sonne steht.
Es kam nun oft das Wort „neu“ vor, und tatsaechlich haben wir – so finde ich – ziemliche Fortschritte gemacht. Am langen Wochenende haben Chris und David ja nicht nur geholfen, Gebaeude zu schleppen (wir ueberlegen jetzt an Strassennamen hier in unserem kleinen Dorf. Chris schlug als Fortsetzung der Main Street „Biffy Alley“ vor, auch koennte es eine Chicken Terrace geben). Auch Brandholz wurde geschleppt und gleich verarbeitet. Der Versuch, den Wurzelhaufen auf dem zukuenftigen Hausbauplatz abzutragen, schlug leider fehl. Und dann haben die Burschen kurzerhand noch mit dem Holzschuppen angefangen. Wir besitzen also jetzt wieder einen Tanzboden, eignet sich auch als Fruehstuecksterrasse ausgezeichnet (wenn alle Ziegen eingesperrt sind!)
chris_konzentriert.jpg holzruecken.jpg mehr_gebaeude.jpg neues_toerchen.jpg wurzelhaufen.jpg

Ich bin total im Gartenwahn. Jetzt, wo alles sicher eingezaeunt scheint, macht es richtig Spass. Gereon hat weiter umgegraben , und ich kaufe Pflaenzchen. Weil wir ja auch eine (Hand-)pumpe am Dugout haben, ist das mit dem Giessen kein Problem. Die vielen Johannis- und Himbeerstraeucher von Linda sind eingepflanzt, und zwei Apfelbaeume habe ich auch gekauft. „Normale“ Aepfel tun sich hier sehr schwer, aber die so genannten Crabapples (die hin und wieder auf dieser Seite oben im Kopfbild auftauchen, klein und rot) koennen prima Ernten bringen und sind ausserdem fuer meinen oberbergischen Gaumen angenehm saeuerlich. Hier will man ja auch die Aepfel eher widerlich suess. Gestern hatte ich Extra Dry Soft Cider, also bizzeligen Apfelsaft ohne Alkohol gekauft, in der Hoffnung ein herberes Getraenk zu bekommen. Na ja. Der gute Possmann wuerde hier wahrscheinlich in den Abfluss gekippt werden!

Noch stehen Baeumchen und die Pfingstrosen und eine echte Rose, denen ich nicht widerstehen konnte, noch auf der „Terrasse“, bei den neuen Gartenmoebeln, doch schnellstens muss Gereon jetzt Riesenloecher buddeln, und dann heisst es waessern, waessern, waessern. Fuer heute sind 27 Grad gemeldet!

pflanzen_fuer_garten.jpgsitzecke_2.jpg

Der kleine Hund ist im Sommermodus, daran zu erkennen, dass er hechelnd draussen in der Sonne braet und anscheinend saemtliche Haare abzuwerfen gedenkt, vornehmlich im Bett…
Zora und Emmy sind nicht so hitzebestaendig und gehen mit ihren eigenen Mitteln dagegen an. Die Ergebnisse sind sehr attraktiv, wie ein gut aufgebrachter Unterbodenschutz.
zora_emmy_matsche.jpg zora_unterbodenschutz.jpg
Das scheint gegen Moskitos zu helfen, bleibt jedoch uns Menschen irgendwie verwehrt. Wir muessen zu konventionellen Mitteln greifen, Giftspray oder Stark-Riech-Aromaoel-Spray. Von verschiedenen Stellen hoerten wir kuerzlich ueber ein eher neues System, das mit Hilfe von Propangas die Moskitos erst anlockt und sie dann moerdert, und zwar auf einer Flaeche von einem Acre, das sind glaube ich 4000 Quadratmeter. Preisangaben gingen von 350-500 Dollar, doch Gereon und ich haben schon gesagt, dass uns das durchaus auch 500 Dollar wert waere. Und angeblich scheint es wirklich zu funktionieren. Was fuer eine wunderbare Vorstellung. Gestern musste ich naemlich aufgrund einer Reifenpanne unter unguenstigen Umstaenden eine Stunde auf dem Highway auf Gereon warten. Damit meine Einkaeufe im Auto nicht sofort schmolzen, hatte ich beide Fenster auf. Sobald ich anhielt, quollen die Moskitos nur so ins Auto, und ich hatte die Wahl zwischen aufgefressen werden oder schmelzen. Ja ja…

Nachdem ich mir gerade telefonisch frei genommen habe, ist dieses Geschreibse schon wieder aelter, wenn ihr es lest. Aber frei und Garten giessen ist soviel schoener (und jetzt auch nutzbringender, so hofft man) als arbeiten fuer kleines Geld. Ausserdem hat mir die gute Margaret den Rest ihres Gartens angeboten, zur freien Verfuegung (Zitat: You can plant to your heart’s content! But: You plant it – you hoe it. Will sagen, dass auch das Unkraut alles meines ist in meinen Pflanzreihen. Aber dort koennten wir unsere deutschen Kartoffeln hoffentlich vermehren.)

Nachsatz: Das war Mittwoch. Jetzt ist Samstag, es gab diese 27 Grad seitdem taeglich, und etwas schwuelen Regen und vielleicht heute ein Gewitter. Der Garten naehert sich saattechnisch seiner Vollendung, und wir kochen auf Propan draussen, weil es sonst zu heiss in der Kueche wird. Heute morgen gab es eine himmlische Premiere: Ich habe zu Hause geduscht, mit Gereons Hilfe, einer Giesskanne und Shampoo fuer silbernes Haar (etwas Luxus braucht der Mensch). Vielleicht hab ich ein paar Moskitos ertraenkt und auf mir verrieben beim Abtrocknen, aber ansonsten war es einfach wundervoll. Fehlt nur noch ein Duschvorhang… Aber Besuch ist ja eher selten.