Monthly Archive for October, 2008

Und immer noch Herbst

Boah, der Arne hat hier was umgebastelt, sieht ganz anders aus, und angeblich kann ich trimmen und untrimmen und more oder less, scheint aber (noch) nicht verlinkt. Macht nix. Stell ich jetzt ein, was ich heute morgen im finstern Walde geschrieben habe. Auf geht’s, oder wie Nachbarin Margaret sagt: “Onward!”

Sonnenaufgang um 8:57, Untergang um 18:20. Das laesst schon mal nicht mehr soviel Tag uebrig. Und vorm ersten Licht mit dem Melken anzufangen, das finden die Ziegen eine ziemliche Zumutung. Jetzt ist es erst zwanzig vor sieben, also hab ich noch was Zeit.
Es ist immer noch recht warm, vorgestern tagsueber 15 Grad (falls es nicht doch luegt, das Thermometer). Gaense fliegen auch nach wie vor in grossen Scharen. Nach Norden zum Fressen, nach Sueden zum Ruhen, und wieder zurueck. Zweimal taeglich. Der Dugout ist allerdings zugefroren, was die Wasserbeschaffung komplizierter macht. Nun muss naemlich ein Loch ins Eis gehackt werden, das dann doch dicker ist als ich dachte, naemlich etwa 2cm. Haetten wir Schnee, waere dieses Problem schon wieder geloest. Man weiss aber nicht, was schlimmer/besser waere.

So haben wir immer noch Gelegenheit, uns auf den Winter vorzubereiten. Dazu gehoert natuerlich der kulinarische Aspekt. Unsere gruen geernteten Tomaten waren mir im Weg, also hatte ich sie auf den „Hochregalen“ in der Kueche zum Nachreifen abgestellt. Bei einer Kontrolle kuerzlich fand ich sie sehr schoen rot, wenn auch etwas staubig. Und schmecken tun sie prima.

Kaese wird nun experimenteller. Ich habe in Oel eingelegt, in den Geschmacksrichtungen „Sultan“, „Hot“ und „Italiano“. Im Hintergrund sieht man Trudi, die schon einmal fuer Runas Weihnachtskarte uebt. Nachdem fuer diese paar Glaeschen fast drei Liter nie billiges Olivenoel draufgegangen sind, ist mir einmal mehr klar, warum Kaese, also echter Kaese, nicht diese Kloetze, die es hier sonst so gibt, warum der also so richtig teuer sein muss. Wehe, da schimmelt oder gaert was!

Gestern hatten wir unsere letzte Tomaten-Einkoch-Session, wir haben nunmehr ueber 100 Glaeser!

Weil der viele Quark, der immer noch nachwaechst, ja verarbeitet werden muss, am liebsten zu Omas Kaesekuchen, war ich auf der Suche nach Dr. Oetker Puddingpulver. Leider schwer zu bekommen, leider teuer. Was ich sonst so fand, das unvermeidliche Jello, ist aber immer alles stark gesuesst. Und dann stiess ich zufaellig auf Bird’s Custard Powder. Hat leider Tartrazin, ist aber im Grunde Puddingpulver in der 340-g-Dose. Wurde gleich an Apfelpfannkuchen ausprobiert, was diesen dann auch den Oma-Touch gibt, und fuer gut befunden! Bird’s war wohl etwas Altmodisch-englisches, bis Kraft daherkam und die Marke aufkaufte. Schade, aber dennoch lecker.

Und dann ging mir die Muskatnuss fast aus, die ganze. Meine deutschen Vorraete waren schneller geschrumpft als erwartet und ich machte mich auf die Suche nach ganzer Muskatnuss. Nicht ganz unvorhergesehen, war die Suche voellig erfolglos. Also ins Internet. Und siehe da, ich fand den Spice Trader in Ontario, scheinbar ein Einzelhandel, der seine Bio-Gewuerze auch verschickt. Und was die alles haben, ziemlich wunderbar. So trudelten dann Anfang dieser Woche, fuer ein kleines Porto von ueber 11$, unglaublich, nette gruene Doeschen hier ein, und ich bin stolze Besitzerin von, unter anderen Leckereien, ungefaehr 100 Muskatnuessen. Na ja, nicht ganz, aber wusste ich denn, dass die so wenig wiegen? Und die kleinste Einheit waren 50g. Das sind ne Menge Nuesse, wissen wir nun.

Hoffentlich nichts Kulinarisches ist der Wichtigvogel, mein derzeitiges Lieblingshuhn. Man kann auf dem Bild mangels Streichholzschachtel nicht erkennen, dass der Wichtigvogel nur etwa amselgross ist und wohl dieses Jahr nicht mehr wachsen mag. Zu wichtig sind die Missionen, in denen er (hoffentlich sie) unterwegs ist, da kann das Huhn nicht auch noch wachsen. Einzelgaengerisch und immer in Eile, vermute ich den Wichtigvogel in den Diensten des Lamas. Eingreifend in den Lauf der Dinge, im Auftrag. Vielleicht hat er aber auch einfach nur einen Psychoschaden. Schliesslich wurde die Mutter versehentlich geschlachtet, und eines der drei Geschwister nahm sich schon das Leben im Wassereimer. Ein anderes hat eine leichte Gehbehinderung, weil es sich wohl vor eine Ziege geworfen hat. Wer weiss, was in diesen kleinen Puschelkoepfen so vorgeht und wo beim Huhn die Seele sitzt.

Nun noch ein paar Worte zur Telefontechnik. Kurzer Rueckblick: Man will uns kein Festnetz verlegen, da zu teuer fuer Telus, den anscheinend einzigen Anbieter fuer Festnetz in unserer Gegend. Dann bot man uns Anfang des Jahres ein so genanntes Drahtloses Festnetz an, das per Antenne ins Haus kommt und dann normal verkabelt wird. Koennten wir aber erst haben, wenn das Haus fertig sei. Eine Nummer wies man uns bereits voriges Jahr zu, bei meiner urspruenglichen Antragstellung. Diese erschien dann diesen Sommer mit meinem Namen auch im Telefonbuch, gar nicht witzig. Also wollten wir das Telefon dann auch gefaelligst haben. Bei erneuten Anrufen ergab sich (ich will das nicht in aller Ausfuehrlichkeit schildern, obwohl, ich koennte, und koennte dabei gleich meinen Blutdruck in Schwung bringen). Es ergab sich also: Man hatte unsere derzeitige Handynummer verbaselt und hatte nur die Nummer aus Debolt, also von vor zwei Jahren (!!!), konnte uns also nicht kontaktieren. Man hatte die uns zugewiesene Nummer versehentlich jemand anderem zugeteilt, obwohl mein Name damit im Telefonbuch steht. Auf meine Fragen hin beschied mir die Dame, dass die Antenne 0.5V Strom ziehe (ich schuettelte vorsichtig den Kopf, Gereon schuettelte energisch den Kopf). Sie beschied mir auch, dass man das Geraet mit einem Ueberspannungsschutz ausstatten wuerde, weil ja, wenn man von den Sonnenkollektoren in den Generator gehe, leicht mal Spannungsspitzen auftreten koennten, und da muesse vorgesorgt werden. Hochkompetente Mitarbeiter allerorten, das wird aus drei Saetzen offenbar. Da kann man mir doch auch meine Notluege nicht veruebeln, dass das Haus praktisch fertig ist und sie gefaelligst ihre drei Wochen Vorlauf starten sollen. Denn wer weiss, bei soviel Verwirrung sind drei Wochen womoeglich nicht das, was ich so denke. Immerhin aber hat man uns eine neue schoene Nummer zugewiesen, wenn sie denn haelt: 5511. Ist doch gut zu merken.

Und zum Schluss noch etwas Erstaunliches: Obwohl weit von allen Kuesten und auch nicht in der Naehe eines erwaehnenswerten Zoos, koennen wir doch hier immer wieder Walgesang hoeren. Schade, dass es noch kein Geruchsinternet gibt…

Wie peinlich, Walter!

Da ist der Gatte dann doch weg gewesen und hat nicht Bescheid gesagt - das tut mir leid. Wenn Du einen Kommentar hinterlaesst, dann fragt das Programm nach Deiner Internet-Adresse, und niemand sonst sieht sie, und dann kann ich Dir schreiben. Ist aber auch zu bloede, dass wir noch nicht mal Nachnamen oder Telefonnummern ausgetauscht haben. Vielleicht klappt es ja doch noch, waehrend Du hier bist.
Schoene Gruesse derweil von Petra

Und dienstags bei den Nachbarn vorm Haus…

… sitze ich und habe mich dann doch ins Internet einloggen koennen. Hier steht naemlich ja noch die Schuessel, die ich schon uebernommen habe, samt wireless network dingenskirchen. Bisher hatte ich das Einloggen nicht geschafft, hat aber eindeutig an mir gelegen. Doch nu, oh Wunder funktioniert es. Nicht rasend schnell, natuerlich, schuesselchen-langsam halt, doch immerhin. Leider will Margaret das Ding unbedingt los werden, verstaendlich, weil das Kabel durch einen Schlitz im Fenster ins Haus gefuehrt wird. Und es wird ja bekanntlich kalt. Haette ich mal einen feinen Kompass und jemanden, der mir die Schuessel irgendwo aufbaute…
Doch irgendwann wird auch das klappen. Dann kann ich ja jetzt beruhigt zur Post fahren.

Oh, und ich muss noch kurz angeben, auch wenn der Opa das ja leider nicht liest. Ich verlasse mich auf die Rohrpost. Nachbarin Margaret und ich haben gemeinsam, sie allerdings viel fleissiger als ich, bis jetzt 92 Literglaeser Tomaten eingekocht!! Wir werden die 100 erreichen und wohl ueberschreiten, weil naemlich immer noch ein halber grosser Tisch und mehrere Kisten in ihrem Keller voller Tomaten sind, die auf Verarbeitung warten. Wenn alles nix nuetzt, machen wir ein italienisches Ristorante auf.

Samstags vor der Buecherei

… parkt ein kleiner, rostiger, eindeutig aelterer Truck, ROSA. Es dauert einige Zeit, bis ich ihn mit einer alten Dame in Verbindung bringe, die am Computer sitzt, seit bald 2 Stunden. Es entspinnt sich folgender Dialog:
Ich: Ist das Ihr Truck da draussen?
Dame (mit Baseballkappe, Hoodie, Fleeceweste und dicken Schuhen, Jeans natuerlich, und grauen kurzen Haaren): Ja, das ist meiner.
Ich: Und der Hund am Steuer faehrt?
Dame: Ja, ja, der faehrt, das ist ok.
Ich: Ist das eine Pudelmischung?
Dame: Reinrassig!
Ich: Gross?
Dame: 25 inches, das ist gross fuer eine Huendin.
Ich: Gibt’s die hier irgendwo oder wo haben Sie die her?
Dame: Dafuer bin ich nach New York geflogen. Ich wollte was Besonderes.

Tja, da siehste mal. Was man auf meinen dilettantischen Fotos nicht sehen kann: Der Truck ist fliederlila-rosa, hat vorne drauf ein lila Seil, keine Ahnung wofuer, der Hund traegt ein moeglicherweise lilanes Halstuch. Man fragt sich…

pudelauto.jpg pudelauto2.jpg

Sowohl Hund als auch Auto naehme ich sofort, zu und zu niedlich.

Fenster

Immerhin. Alle Fenster sind drin. Man hat das Gefuehl, dass es gleich waermer ist. Jetzt fehlen also noch 4 Tueren, was unterm Dach, die Isolierung und schliesslich mindestens ein Ofen. Zuviel nachdenken darf ich darueber nicht, denn nebenher muessen noch dringend Ziegenunterstaende gebaut werden und die Bienen winterfest gemacht. Kaese erwaehnen wir nicht, den mach ich ja, da hab ich Einfluss. Aber das Wetter ist nach wie vor prima, nicht wirklich eklig kalt, kein Schnee, relativ viel Sonne immer noch. There you go!
fenster_drin.jpg

So, jetzt aber mit Bildchen

Und die Bildchen mal zuerst, vielleicht faellt mir dann noch was ein.
3fenster1.jpg herbstwald20081.jpg allesqark.jpg
Das mit dem Wetter bzw. den goldenen Blaettern hat sich so gut wie erledigt. Die Blaetter sind fast runter, und die Temperaturen auch. Es scheint, dass ich in diesem Jahr fast uebergangslos von “Wie kuehlen wir die Milch?” zu “Wie hindern wir die Milch am Frieren?” gehe. Und ich weiss nicht, welches Problem mir lieber ist. Die Finger tun jedenfalls schon wieder weh fuer -20 Grad, obwohl es gerade mal -6 oder so war. Vorteil: weniger Matsche.

Und dann noch, heute in der Post, frei nach der Frage von Henne oder Ei: Unser Antrag auf eine Strasse zur noerdlichen Quarter Section, damit wir Zugang haetten und dort bauen koennten, wurde abgelehnt mit dem Argument, dass da ja keinerlei Bauaktivitaeten sind. Nicht, dass ich uns in naechster Zeit ueberhaupt schon wieder bauen saehe, aber die Argumentation ist doch bestechend!
So, ich glaub, mehr weiss ich im Moment nicht. Gereons Arbeit scheint etwas auf der Kippe, bin gespannt. Das waere ja mal was ganz Neues, wenn er ploetzlich arbeitslos waere.

Mondlandung verkehrt

Ein kleiner Schritt fuer die Menschheit, aber ein grosser Schritt fuer uns: Seht ihr den Unterschied zu vorher???

Nein? Koennt ihr auch nicht, logisch, weil ich naemlich hier im angezapften Internet in Grande Prairie auf dem Farmers Market keine Bilder hochladen kann. Jedenfalls: Wir haben 4 (in Grossbuchstaben VIER) Fenster eingebaut!!! Das heisst, dass wir gestern luxurioes hinter dreien davon, zwar auf Bienenkaesten, aber immerhin gesessen, Tee bzw. Kaffee getrunken und Chocolate Ginger Brownies gegessen haben. Ziemlich gut. Der kleine Hund hat sich schon ordnungsgemaess auf einem Sonnenfleck rumgewaelzt. Ziemlich erstaunlich eigentlich, weil ja noch keinerlei Polsterung fuer die Knochen da ist. Aber Sonnenfleck.

Nine openings to go, das heisst, noch fuenf Fenster und vier Tueren, wovon wir aber wohl die oberen Tueren eher einfach fest verbrettern werden, einstweilen, der Eilbeduerftigkeit halber. Jetzt scharre ich naemlich richtig mit den Hufen, ich will unbedingt einziehen, sofortissimo. Kann schliesslich nur besser werden als Kueche jetzt.

Derweil ist, ebenfalls fotografiert zur spaeteren Veroeffentlichung, immer noch schoenstes Herbstwetter, leider fallen die Blaetter schnell. Aber sie sind golden, und immer noch fliegen die Gaense, und gestern sogar noch ein paar Kraniche. Es gibt Morgennebel und dekorative Sonnenauf- und -untergaenge (obwohl wir die tatsaechlich, wie der Name ja auch sagt, in Sunset House sehr oft haben).

Gelernt haben wir, dass bei Quark von 20 Litern Milch unsere Grenzen liegen. Irgendwie wiegt das Zeug nach dem Abfuellen in den neu erworbenen 25-l-Abtropfbeutel immer noch etwas viel, selbst mit meinem kraeftigen Molkereiassistenten war es schwierig, den Beutel hoch genug zu haengen. Beim Abnehmen war ich ohne Assistenz, und dann hatte ich das Zeug nicht lange genug abtropfen lassen, und dann war es immer noch schwer, und duenn, aber zu spaet - nie wieder haette ich es in den Beutel gekriegt. Also hab ich mal 7,5 kg semi-fluessigen, aber wohlschmeckenden Quark eingefroren. Das machen wir jetzt nicht mehr, 20 Liter auf einmal. Glaube ich jedenfalls. Andererseits: Feta von 20 Litern, das macht Spass. Wie im Sand spielen. Ich habe naemlich noch kleine Foermchen von Thomas und Julia entdeckt, und so habe ich lustige kleine Fetas produziert, die nun alle mit ihren grossen Bruedern und Schwestern (die Feta, der Feta?) im Salzbad schwimmen. Das mach ich jetzt lieber oefter. Die Truhe ist voller Milch und Kaese. Aber heute habe ich einen ziegenfreien Tag, das ist auch mal nett.