Monthly Archive for December, 2008

Alle guten Wuensche und vielen Dank! – Best Wishes and a Big Thank You!

9 Uhr an einem Dienstag morgen, es wird langsam hell, durch das Fenster nach Norden sehe ich, dass alles einen leichten lila Schimmer hat, die duenne Mondsichel hat sich im Sueden in den Baeumen versteckt. Die Sonne wird noch eine halbe Stunde auf sich warten lassen. Laut Wetterbericht ist es in Valleyview -34 Grad. Ich sitze im Warmen (wir wollen allerdings das Konzept der Relativitaet dabei nicht aus den Augen verlieren). Alles ist still und schoen und gut.
Jetzt ist ein bisschen Zeit, um auf den zurueckgelegten Weg zu schauen. Fuenf Jahre Kanada sind am 27. Dezember um, davon zwei auf der Laughing R Ranch, eines im gemieteten Haeuschen und zwei hier auf unserem Land am Snipe Lake. Was fuer eine Reise! Mehr als einmal habe ich ueberlegt, ob ich wohl den Container wieder packen und abreisen kann. Gereon hatte und hat diese Zweifel wohl nicht.

Natuerlich kommt man nie an, ist ja auch nicht der Sinn des Ganzen, aber von hier aus, so scheint mir, koennen wir gut weitergehen. Das fast fertige Haus ist eine gute Basisstation. Wir fuehlen uns wohl hier, alles hat soweit gut geklappt, unsere Tiere gedeihen, fuer die Bienen hoffen wir das Beste, Gereon hat Arbeit, ich habe die Buecherei, wenn ich will. Wir haben prima Nachbarn und lernen so langsam mehr Menschen kennen.
Vor lauter Arbeit sind die Kontakte manchmal etwas kurz gekommen. Jetzt sollte Zeit und Gelegenheit und PLATZ (beheizt) fuer Kaffeeklaetsche und dergleichen mehr sein.

Dass das so ist, das verdanken wir zu einem grossen Teil all den freundlichen Menschen, die uns mit Rat und Tat immer und immer wieder zur Seite gestanden haben und noch stehen und ohne deren Hilfe wir sicher nicht hier waeren. Einen ganz besonders herzlichen Dank also in die Runde, diesseits und jenseits des Atlantiks, fuer Paeckchen und Post und emails und Anrufe, fuer Buecher und Eilratschlaege bei Ziegenkrankheiten, fuer Wolle aller Art, fuer „Beiladungen“ im Container, fuer schoene Zeit bei meinen Deutschlandbesuchen (April 2009 ist angedacht…), fuer geliehene Ohren und Geduld und Aufnahme bei Kaelte, Stress und an Feiertagen sowie gewoehnlichen Tagen, fuer geliehene Soehne und Maenner zwecks Baueinsatz, fuer Gekochtes und Eingekochtes und ueberhaupt fuer alle sonstige Unterstuetzung, die ich hier jetzt womoeglich vergesse zu erwaehnen!! Wir wuenschen schoene und friedliche Feiertage und ein gesundes, gutes neues Jahr!

PS: Waehrend ich heute, am Heiligen Abend, endlich in der Buecherei sitze, hat es sich etwas aufgewaermt, und man hoert, dass aufgrund der Schneefaelle in ganz Kanada es wohl zum ersten Mal seit 37 Jahren wieder White Christmas from coast to coast geben wird. Da denken wir besonders (und schmunzelnd) an Familie E. in V.. Schneeschippen ist gesund, lieber D., und haelt fit!!

Here’s one in English, because it’s Christmas!
9am on a Tuesday morning, daylight comes slowly, through the north window I can see that everything has a lilac hue, the skinny moon is hiding somewhere in the trees to the south. It will be another 30 minutes before the sun comes up. According to the Weather Eye it is -34 in Valleyview. I am warm (don’t forget, though, that everything is relative). It is quiet and beautiful and all is well.

Now I have a moment to look back along the way we’ve come. It will be five years since we arrived in Canada on a very cold December 27, two of which we spent on the Laughing R Ranch, one in the little house we rented and two here on our land by Snipe Lake. Quite the journey! More than once I was making plans to pack everything back into the seacan and go home. It seems that Gereon never had those doubts. Of course you never arrive, and that’s not the point anyway, but it seems to me that this place and house, almost finished, is a good base camp for us to journey on from. We like it here, everything went well so far, our animals are doing fine, for the bees we hope the best for next year. Gereon has a job, I’ve got the library to work at if I need to get out. We have awesome neighbours and are slowly meeting more people here in the community.
With all the work there was (and is), though, there never seemed enough time for visiting. Now this should change, and we welcome company in a house with a floor and with heat!

This would never have been possible without all those kind and generous people who helped us and gave us hours and hours of hands-on support and advice when needed and who continue to do so, and without whom we would surely not be where we are now. So a great big THANKS to all of you, you know who you are, for your elbow grease, in the cold and in record heat, for tools and towels and showers and gas and fish and a cookstove and canning and fibre and food and fun and warmth, open ears and time whenever I needed them, for goat advice and a horse lent, for tractor-work and cat-work and quad-work and goodies for all of us here, the little dog always included, and for company even in the bitter cold and with no floor, and for everything else that I forgot to mention! We wish you a merry and peaceful Christmas and all the best for 2009!

Tadaah!

So schreibt man das hier glaube ich. Umgezogen! So gut wie, jedenfalls. Erste Nacht im neuen Haus erfolgreich absolviert. Der kleine Hund war allerdings arg verwirrt. Bett steht andersrum, d.h. der ganze Einschliefprozess sollte seitenverkehrt erfolgen, das war dem kleinen Hund zu kompliziert. Hat er sich gedacht, er bleibt auf seinem neu-wiederentdeckten Sessel am Ofen liegen. War ihm ja nicht klar, dass es dort ueber Nacht doch abkuehlt. Jetzt, am fruehen Morgen, und mit Ofen schon wieder an, hat Trudi es sich da gemuetlich gemacht. Ich sitze an meinem allerliebsten Tisch, den ich gestern noch vor dem Bett aufgebaut habe, und tippe vor mich hin, bei Kerzenlicht, weil trotz schoener Batterien der Strom noch nicht angeschlossen ist. Man kann nicht alles haben. Draussen pfeift der Wind, der eine Kaltfront mit sich bringen soll. Fuer Mittwoch Nacht sind minus 18 oder so gemeldet. Dann wird Findus zeigen muessen, was er kann. Bis jetzt ist er ja sehr brav, aber noch nicht wirklich gefordert. Kaffee kann er kochen, Huehnersuppe und Haferpamps.

Vom Tisch aus sehe ich an der Wand die Treppenstufen unserer „Bautreppe“ zum Antrocknen lehnen. Ist ja schon praktisch, so einen Wald und ein Saegewerk zur Hand zu haben. Derzeit steht die Aluleiter im Treppenaufgang, aber das ist fuer mich und Trudi eine ziemliche Zumutung. Und weil Gereon das Isolieren leid war und viel lieber saegt, hat er gestern die Bautreppe angefangen. Wangen (heissen die so?) aus Balsamtanne, lecker-schnuffelig, und Tritte aus Aspe, teilweise mit schoenen Mustern drin.

Ein Weihnachtsstern haengt schon am Fenster, aber ueber die restliche Deko hatten wir ein interessantes und fuer mich etwas beunruhigendes Gespraech. Anabel, falls Du liest: Die Reservatenkammer, die haetten wir besser gleich entsorgt. Jetzt will Gereon sie an die Waende tackern. Hoerner, Hufe, Biberzaehne, was die Natur so hergibt… So schlug er zum Beispiel vor, doch die Oeffnung nach oben mit den Geweihen einzufassen. Waere auch fuer Trudi ein reizvolles Klettergeruest… Das war nicht so ganz ernst gemeint, aber ein bisschen Sorge habe ich schon. Einigen konnten wir uns aber darauf, dass nix Ausgestopftes irgendwohin kommt, also kein roehrender Hirsch mit Plastikinnenleben ueber dem Sofa oder ein balzendes Huhn oder derlei Schoenlichkeiten. Wir haben ja da schon so einiges gesehen hier.

Doch jetzt geniesse ich erstmal noch die relative Leere des Gebaeudes. Schon lange habe ich nicht mehr so weit unter einem Dach gucken koennen (wenn man das Poleshed mal weglaesst). Ein Nachteil ist ganz klar, dass nun das Indoor-Outhouse nicht mehr auf dem Gang ist, da will als geplant werden. Und kein Abfluss im Haus, noch nicht. Mit Tee- und Kaffeeresten muss man sich also ungewohnt beherrschen.

Sonst noch: Weil ja kaum Schnee ist, muessen wir nach wie vor Wasser aus dem Dugout holen, also ein Loch in das dicke Eis hacken. Gereon hat zwei schoene Stufen in die Boeschung gehackt, und das Eis ist dick genug, dass man drauf stehen kann. Schon die ganze Zeit faellt uns auf, dass nach wie vor jede Menge Leben im Wasser ist, interessante durchsichtige Larven, Rueckenschwimmer und Kaeferchen – alles noch da. Doch heute habe ich den groessten Kaefer ever gesehen, aehnlich wie ein Gelbrand, aber mindestens 5cm Koerperlaenge. Ein richtig groesses Ding. Schwamm etwas verlangsamt, aber war ansonsten unversehrt. Ich frage mich, wie das atmet, wenn das Wasser wieder, ueber Nacht, komplett zufriert.

Der Wichtigvogel ist wohl endgueltig futschikato. Ich hatte ja den Marder im Verdacht, aber gestern ueberraschte ich den Habicht beim Landeanflug – Huehner schon alle in Panik, und ich konnte aufgrund des Glatteises nur ganz langsam gehen. Aber es hat gereicht, um ihn sofort und ohne Huhn wieder abheben zu lassen.