Monthly Archive for May, 2009

Und ploetzlich ist Sommer!

Fuer in fuenf Tagen sind Hoechsttemperaturen von 27 Grad gemeldet. Die Sonne scheint vom im Moment nur leicht bewoelkten Himmel. Zwar blaest ein frisches Windchen, aber da trocknet die Waesche um so besser. Leider auch der Garten. Wasserschleppen zum Spuelen und selbst fuer meine Waschmaschine (das erzaehle ich ein andermal, jedenfalls 60 l pro Waschgang) geht ja noch, aber fuer den Garten sprengt das einfach meine Kapazitaeten, trotz Gereons starker Hilfe. So haben wir beschlossen, dass wir uns ein Pumpe goennen, yippieh! Das wird zwar leider eine benzingetriebene sein, aber das nuetzt jetzt grad mal nix. Die waere dann auch als Notfallpumpe im Falle eines Feuers (was der Himmel verhueten moege!) geeignet. Und obwohl wir oben auf unserem Doughnut schon etwas ueber Austrocknung klagen, rinnt in den Tiefen des Waldes noch das Wasser. So blieb Gereon gestern auf dem Rueckweg vom Zaunpfaehle-Schneiden leider mit dem neuen Quad (habt ihr das ueberhaupt gesehen, im Schnee, auf den Maibildern??) im Wasser und in der Plempe stecken. Heute hat er dann aus Gestraeuch und kleinen Staemmen eine Art Ueberbrueckung gebastelt. Das zugehoerige Foto habe ich leider mit Kamera zu Hause liegen lassen. Demnaechst in diesem Theater.

Ueberall ist die Welt voller Kaelbchen. Jede Menge Voegel inzwischen, auf unserem Dugout sahen wir insgesamt nun schon die unvermeidlichen Schnepfen, aber auch American Widgeon, Blue Teal, Green-winged Teal und Stockenten, dazu landete einmal ein Gaensepaerchen, das war ziemlich interessant. Unsere kleinen Zickis entwickeln sich gut. Nach langem Hin und Her und ungezaehlten Vorschlaegen, die alle vom Chef abgelehnt wurden (Casanova war der letzte…) heisst der kleine Toggenburgerich nunmehr Amadeus. Frau Mafalda hat sich erholt. Sie sieht immer noch schrottig aus, aber sie produziert wieder Unmengen Milch, und ich fuettere sie, was das Zeug haelt. Gereon berichtete gestern abend, dass er beim Wasserpumpen einen Steinadler dicht ueber den Hof fliegen sah, der eindeutig nach den kleinen Zickis guckte. Da wird es einem schon ein bisschen bange um die kleinen Viecher. Heute stolperte das erste und bis eben einzige Kueken dieser Saison unter dem Ziegenstall hervor. Ueberlebenschancen sehr gering, weil Einzelkinder irgendwie nicht so recht die Mutterinstinkte zu wecken scheinen. Jedenfalls sass Trudi schon auf dem Melkstand und wartete auf eine Wachluecke. Bis jetzt anscheinend erfolglos.
So, nun muss ich schon weiter wurschteln, es ist jetzt immer soviel im Garten zu tun, dass der Mensch zu nix mehr kommt… aber die Moehrchen wachsen, und die Erbsen, dazu rote Bete, Mangold und endlich, endlich Feldsalat. Es ist jedoch ein stetiger Kampf gegen die Huehner, die beschlossen haben, alles umzupflanzen bzw. von unten anzugucken. So auch sehr gerne und zum wiederholten Male meinen geschaetzten (und gekauften) Sellerie. Nur der Lauch blieb bisher unangetastet. Ist auch besser so!

One morning, one morning, one morning in May…

Gab es ja da mal so ein Liedchen von James Taylor, urspruenglich wohl ein so genanntes Traditional.
Also es ist ja Mai. Das sagt der Kalender. Und ich weiss es auch aus den verschiedensten Gruenden ziemlich genau. Aber glauben kann man es nicht so wirklich.

Eben rief Hanna an, um uns froehliche Weihnachten zu wuenschen. Die uebliche Frage im Moment ist: Wie war denn Dein Sommer? Akut heute gibt es naemlich eine Snowfall Warning (continued). Fuer Grande Prairie werden 10 bis 15 cm angedroht. Wir haben davon schon mindestens 5, glaube ich, gefuehlt, jedenfalls. EKLIG! Zwar waere Regen noch schlimmer, weil wegen der Matsche, aber die blueht uns ja dann uebermorgen auch, denke ich. Und Matsche, ich hatte das mehrfach erwaehnt, ist hier was wirklich ernsthaftes, nicht so eine oberbergische Pseudo-Matsche, die eigentlich noch ganz schoen ist. Oh nein. Hier ist die Matsche so, dass es der kleine Hund schafft, von draussen an jedem Zeh einen Matscheklumpen mitzubringen, also sechzehn (und wir wissen ja, also manche wissen ja, wo der kleine Hund sofort hinspringt, wenn er aus dem Ekelwetter kommt…) Diese Klumpen fallen auch bei zuegigem Tempo nicht ab, und selbst mit einem feuchten Handtuch ist ihnen nur schwer beizukommen (und der kleine Hund wird da auch etwas unwirsch, weil er ja hinspringen will, wo er nunmal hinspringen will…)

Ich schreibe dies, waehrend ich im warmen Haus sitze, und kann nur einmal mehr betonen, wie schoen doch eigentlich so ein Haus ist. Wenn ich jetzt noch in der „Kueche“ leben muesste, das habe ich dem Gatten am Hochzeitstag unmissverstaendlich erklaert, dann waere diese Ehe zuende. Es ist mir immer unvorstellbarer, wie das ueberhaupt gegangen ist. Aber wenn ich mir die Fotos anschaue, auf denen ich zu sehen bin, na, dann denke ich, einen Preis habe ich gezahlt. Das sind nicht alles Lachfalten… Gereon dagegen, ich weiss es nicht, die Welt ist nicht fair, wenn es um Maenner und Frauen geht.

Faktentechnisch gibt es zu berichten, dass wir seit Anfang Mai neue Bienen haben, so genannte Paketbienen. Die kamen diesmal allerdings in interessanten Papprollen, so wie sie auch fuer den Versand von grossformatigen Postern oder Architektenzeichnungen verwendet werden. An beiden Enden Gitterhuetchen, also gute Belueftung. Das neue Beeyard war ja Teil der Fruehjahrs-Caterpillar-Aktion und war gut vorbereitet. Bei zwanzig Paketen war eines mit einer toten Koenigin, und inzwischen haben sich anscheinend noch zwei verabschiedet, aber im Ganzen ist Gereon ist sehr zufrieden mit dem Nachschub. Eigentlich wollte er dieses Wochenende, das ja ein langes war, mit Victoria Day am Montag, den ersten, naemlich Weidenhonig schleudern. Na, aber da siehe oben.

Der Ziegennachwuchs macht sich auch erfreulich. Ausgerechnet an einem Tag, an dem ich arbeiten war, warfen sowohl Plueschi als auch ihre Tochter Pandora insgesamt drei Kinderchen ab. Und am 8. Mai legte Tallulah los, die so dick war, dass wir schon drei Kinder erwarteten. Es wurde dann Alma, allein. Das war aber insofern gar nicht so schlimm, weil wir zum einen ja sowieso nicht unbegrenzt Ziegen haben koennen und mehr die Milch als das Fleisch wollen, und zum anderen warteten wir ja auf einen Anruf von Andrea Mueller aus Warburg bei Edmonton. Beim (schweizerischen) Ehepaar Mueller hatten wir naemlich einen neugeborenen Bock bestellt. Das ist so aehnlich wie ein Neugeborenes adoptieren: Man wartet auf den Anruf, und wenn er kommt, muss man los. Unseren „Neuen“ habe ich Donnerstags abgeholt, da war er zwei Tage alt. Und wir dachten ganz naiv, dass wir den an Tallulah anklemmen wuerden. Doch da war und ist Tallulah vor, die sich nur mit viel Trickserei dazu bewegen laesst, den Kleinen andocken zu lassen. Gestern war sie insgesamt so mistig, dass sie sogar schon Alma rumgeschubst hat. Aber die beiden Stiefgeschwisterchen moegen sich sehr gern und halten fest zusammen, so dass ihnen die rabenmuetterliche Behandlung bis jetzt nicht viel auszumachen scheint. Und wenn wir sie fuer ihre taeglichen Ausfluege in die Freiheit entlassen, gibt es immer viel Spass fuer alle, ausser fuer die Huehner.

Heute morgen ist leider Mafalda ein bisschen off, erst hatte ich groesste Sorgen, aber immerhin begann sie nach einiger Zeit zu fressen. Ich befuerchte, sie ist einfach total runtergearbeitet. Ihre Kinder wachsen wie das sprichwoertliche Unkraut und benehmen sich auch so, grosse, energische, immer hungrige Wesen mit unangenehm lauten Stimmen. Wahrscheinlich ist das genau das, was man bei 6 Wochen alten Zicklein sich wuenscht, aber Mafalda, die sowieso ganz unten in der Hierarchie steht, hat auch ohne diese staendig fordernden Energie-Vampire Probleme, genug Futter zu kriegen. Jetzt hat sie ein Einzelzimmer, und ich rede ihr stuendlich gut zu und praesentiere ihr handverlesenes Kleeheu, das sie auch – langsam – frisst. Hoffen wir das beste. Nebenan schreien ihre Kinder Mord und Brand.

Faktentechnisch dann noch eine „Kuerzerarbeit“ in Gereons Firma. Das ist bei weitem nicht so wie Kurzarbeit in Deutschland aktuell, scheint mir. Hier sieht es nur so aus, dass er um halb vier Schluss hat statt um fuenf. Allerdings war angedroht, dass ab heute die Arbeit eventuell fuer den urspruenglichen Teil der urspruenglichen Firma (es hat da zwischenzeitlich Erweiterungen UND Zusammenlegungen gegeben) so knapp werden koennte, dass man „voruebergehend“ Leute nach Hause schicken muesse. Gereon frohlockte schon ein bisschen (ich sah mehr das schwindende Einkommen), weil er dann mehr Zeit fuer Bienen und Bauen sah. Aber nun hat sich anscheinend schon wieder was geaendert, und erstmal ist es nix mit der ruhigeren Kugel bzw. der Mehrarbeit zu Hause.

Heute morgen dann auch die lang erwartete Mitteilung, dass wir in Severins Zeitplan mitspielen. Da freu ich mich, auf Besuch und Hilfe.

Gestern auch relativ viel Besuch, das war nett. Ich hatte es geschafft, einigermassen aufzuraeumen, gar nicht so schlecht, fand ich. Die Nachbarn kamen, mit Kuchen, und Katrin und Adam und Bob mit diversen Leckerchen, und so haben wir bei dem schon gestern recht doofen Wetter einen gemuetlichen Tag ueberwiegend drinnen verbracht. Ofen ist was feines!

Bei all der Kaelte und Naesse und Fiesigkeit kommen doch tatsaechlich unter dem Vlies meine sehr optimistisch gesaeten Erbsen. Und, fast noch schoener, der Feldsalat! Den umwerbe ich ja nun schon, seit ich in Kanada bin, also jetzt im 6. Sommer, und nicht einmal hatte ich genug fuer eine Mahlzeit. Wer weiss, vielleicht klappt es diesmal. Dagegen habe ich experimentell Bohnen vorgezogen, in meinen kleinen Erdwuerfelchen, und die wachsen natuerlich viel zu schnell hier im Haus und der Garten erwaermt sich natuerlich eher ueberhaupt nicht durch den Schnee, und so ist hier der Erfolg zumindest fraglich. Aber wir lassen uns nicht abschrecken: Fuer diese Woche ist noch der Damenausflug in die Gaertnerei geplant, damit wir geruestet sind, wenn/falls das Wetter dann zum naechsten Wochenende endlich, endlich fruehlingshaft wird. Wahrscheinlich wird ja dann der Fruehling sowieso in zwei Tagen abgehandelt und man geht gleich zum heissen Sommer ueber. Bis jetzt uebrigens ist wetterbedingt die Moskitobelastung praktisch gleich null. Ich hoffe sehr, dass dieser schlechte Start die Population total aus dem Tritt bringt.

Und sonst noch: Manchmal komme ich mir komisch vor hier in unserer Abgeschiedenheit. Ich habe euch z.B. glaube ich noch gar nichts erzaehlt ueber die Plaene, relativ in der Naehe ein Atomkraftwerk zu bauen. D.h. erzaehlt wohl schon, aber dann nicht auf dem Laufenden gehalten. Taeglich kommen hier im Rahmen einer Mailingliste, auf der ich stehe, gar nicht beruhigende Informationen an. So werde ich gleich in der Buecherei hoffentlich es schaffen, den Fragebogen der Provinzregierung zu diesem Thema online auszufuellen. Das ist ja schon clever gemacht: Wenn man sich nicht intensiv um Infos bemueht, gehen solche Dinge einfach an einem vorbei, was womoeglich der Provinzregierung gar nicht unlieb ist. Es wird naemlich vielerorts gelaestert, dass diese sogenannten Volksbefragungen eine voellige Farce sind, ohne praktische Auswirkungen. Aber ich hatte mir ja vorgenommen, nicht mehr so viel zu greinen. Sonst koennte ich gleich wieder loslegen, ohne Ende. Nein. Heute mal nicht.

So, nun noch einmal alle Ziegen geprueft, Mafalda ermutigt, nicht zu sterben, sondern zu essen und zu leben, Ofen gefuettert, was Warmes angezogen, und dann los in die weisse Natur!

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Und nun sitze ich hier, und ich muss gestehen: Soo schlimm finde ich den Schnee gar nicht. Gruen ist es naemlich sowieso noch nicht, und dann kann es auch gleich weiss sein, sieht allemal besser aus als grauschwarz, oder?