Monthly Archive for June, 2009

Der Fortschritt ist bunt!

Jedenfalls bei uns im Garten bzw. am Dugout. Weil es dann mit dem Sommer doch passiert ist, aehnlich wie Weihnachten, blitzschnell und ueberraschend, und wir beschlossen haben, dass dieses Jahr aber im Garten wirklich ordentlich was wachsen muss, wurde nach reiflicher Ueberlegung entschieden, dass wir uns eine kleine benzingetriebene Pumpe goennen. Rot, weil von Honda. Mit gruenem Ansaugschlauch und Filter zum Froschschutz, und mit blauem weichem, seltsamem Schlauch, der bis in den Garten zum auf einem Bock installierten Wasserfass reicht. In einem Affenzahn fuellt die Pumpe dieses Fass, und mit zwei aneinandergekuppelten Wasserschlaeuchen komme ich durch den ganzen Garten. Dauert allerdings seine Zeit, weil die Schwerkraft das Wasser nur recht langsam ausfliessen laesst. So aeusserte ich den Gedanken, wie schoen es waere, so eine Art Brause mit langem Stiel zu haben. Auf sowas springt der Herr Hoe. ja sofortissimo an. Im Rutsch war ein Adapter erworben sowie eine Brause, und jetzt lasse ich die Pumpe etwa eine Stunde laufen und waessere dabei den Garten mit mehr Schmackes und schoenem weichem Brausewasser. Wenn das nix wird, dann weiss ich es aber auch nicht. Das einzig wirklich Unerfreuliche sind im Moment diese Huehner. Ein paar Revoluzzer haben es sich in den Kopf gesetzt, uns um unser Gemuese zu bringen. Ein paar nicht mehr abgedeckte Erbsen sind ihnen schon zum Opfer gefallen. Ich habe Appetit auf frische Huehnersuppe, wenn ich das sehe. Der Herr Schu. empfahl ein Elektro-Gefluegelnetz, warnte aber gleich vor den Kosten. Und dann braucht das Ding ja auch schon wieder konstant Strom. Nicht so einfach. Ultimativ soll ich ja einen Zaun tackern, aber das muss vielleicht warten bis – hurraaah – Severin eintrudelt, fuer den ich heimlisch schon lange Listen von Aufgaben formuliere. Dabei sagt Gereon, er hat natuerlich auch Plaene fuer ihn. Also, lieber Severin, flexe schonmal deine muscles, du wirst sie wohl brauchen. Dafuer aber werden wir Dich prima fuettern mit frischen Eiern und Milchprodukten. Als Beweis hier Mafalda am Morgen. Kann einem doch wohl ein bisschen leid tun, oder? Sie geht dann etwas seltsam, scheint aber ganz froehlich. Mager ist sie natuerlich bei einer solchen Produktion immer noch, aber wieder kraeftig und froehlich. Sie hatte vielleicht sowas wie eine post-natale Depression, wer weiss schon, was in den Hoernern vorgeht. Auch hat sie dankenswerterweise sich entschieden, den Ziegengeschmack aus ihrer Milch zu entfernen. Warum und wieso das genau wie im letzten Jahr am Anfang ziemlich heftig war, das haben wir noch nicht herausgefunden. Ist auch egal. Jetzt schmeckt die Milch prima, ich kriege einiges am Tag und kann also stolz die neue Quarkernte ankuendigen. Alle zwei Tage von gut 6 Litern, das haelt uns schon am Essen. Und der Garten macht sich erstaunlich gut, nach den anfaenglichen Schwierigkeiten essen wir nun Salat und jungen Mangold und junges Rote-Bete-Gruen-Rot und natuerlich Petersilie und Schnittlauch und Sauerampfer (in den Quark, logisch!)

Ein neues Sauerteigrezept macht sich nun nach kleinen Startschwierigkeiten auch sehr gut. Jetzt habe ich wieder das Problem, dass nicht genug in den kleinen Ofen passt und wir immer das ofenwarme Brot zuerst essen. Irgendwie haelt es nicht wirklich lang. So sitzen wir dann mit einigen aelteren Resten da, die keiner mehr so recht will, und dann gibt es wieder warmes, frisches Brot, und Ludwig frisst mehr altes Brot, als ihm eigentlich gut tut.

Auch die Bienen wachsen und gedeihen. Dieses Wochenende will Gereon Loewenzahnhonig schleudern. Mein erster Marktbesuch nach dem Desaster im vorletzten Winter war nicht sonderlich erfolgreich, weil die Leute ja nicht so risikofreudig sind und der Weidenhonig wirklich ziemlich anders schmeckt. Aber nun wissen sie, dass wir wieder im Geschaeft sind, und Spass macht der Markt sowieso.

Sommer, die zweite

Es ist immer noch Sommer, auch wenn Dieter vom Sweathouse Tower behauptet, dass SEIN Wetterbericht abnormal niedrige Temperaturen fuer heute und morgen ankuendigt. Ich sitze in der Buecherei und draussen ist es windig und bewoelkt, aber noch nicht wirklich kalt. Aber im Garten ist alles abgedeckt, sozusagen in trockenen Tuechern. So trocken, dass mir versehentlich der wegen der Abdeckung von den Huehnern unangetastete Sellerie diesmal halb vertrocknet ist. Ich weiss es nicht. Vielleicht sollte ich Sellerie aufgeben.
Am Sonntag waren wir bei Katrin und Adam, die ja ein Stackwall-Haus bauen. Das ist eine interessante Bauweise, die auf den ersten Blick ein bisschen wie ein Brennholzstapel mit Zement dazwischen aussieht. Ein bisschen so ist es auch, aber was man nicht sieht, ist dass zwischen den aeusseren Zementschichten eine dicke Schicht Isolierung steckt. Waermetechnisch ist das alles also ziemlich gut. Und dann sammeln die beiden schon seit laengerem schoen gefaerbte Flaschen, die statt Holz an ausgesuchten Stellen in die Waende eingearbeitet werden – das sieht sehr schoen aus! Wir sind gespannt. Gereon hat jedenfalls geholfen, Baeume zu faellen – da ist er in seinem Element, wie man sehen kann.
Auch seht ihr hier nun auf Internet-Zelluloid den bereits beschriebenen “Brueckenbau”. Besonders interessant finde ich dabei den Belaubungsstatus im Vergleich zum Bild mit den Ziegen. Man bedenke: Vor drei Wochen hatten wir Schnee, und jetzt ist wirklich alles gruen. Ueberall sind Schmetterlinge, vor allem die Schwalbenschwaenze sind auffaellig. Kaulquappen habe ich gesichtet, wo ich auch immer noch hoch interessante Laichschnuere sehe. Machen Froesche auch Schnuere? Ich weiss das gar nicht. Mein Apfelbaeumchen blueht, aber mein Crab Apple ist leider verstorben. Goesselchen wurden schon gesichtet, und eine Miniatur-Ente, die tapfer im Strassengraben rumpaddelte.

Das mag euch nun nicht so sehr beeindrucken, ich weiss ja, dass Familie Dew-Schu schon das Heu unter Dach und Fach hat, aber fuer uns hier ist das doch ziemlich prima. Der kleine Hund flaezt sich gern auf dem Hof rum, und sogar Zora rennt nicht mehr immer gleich in den Busch (wo sie naemlich hofft, das erspaehte Groundhog-Tier zu fangen…, oder wenigstens ein Hoernchen), sondern streckt sich platt vorm Haus aus. Der Weidenhonig ist geruehrt und fast komplett abgefuellt. Weil ich auf Anweisung des Chefs zwecks guter Fliesseigenschaften des Honigs das Haus lieber warmhalten sollte und heizen, hatte ich dann gestern auch einen kleinen Kaminbrand, sehr interessant.

Ach, und das Quad. Ausnahmsweise mal hat der Chef den Schluessel nicht abgezogen, und das haben die Zickis dann uebernommen. Nu isser wech… der einzige, natuerlich. Das sind die kleinen Vergnuegungen des Alltags.

Ach, und die Waschmaschine. Also ich habe ja Margarets alte Waschmaschine, weil sie jetzt einen Vorderlader hat, den sie gar nicht so schoen findet. Weil kanadische Toplader ja nicht so schleudern, wie wir das von Miele und Co. gewohnt sind, bestand kein Risiko, das Ding auf dem Deck vor der Eingangstuer waagerecht auszurichten und an den Generator anzuschliessen. Gelernt habe ich: Kanadische Waschmaschinen brauchen pro Waschgang bei der Einstellung fuer den niedrigsten Wasserstand mindestens 60 Liter Wasser. Dieses schleppe ich also in drei Gaengen ins Haus, wo ich es auf dem Herd erhitze, um es dann wieder raus und in die Waschmaschine zu schleppen. Dann werfe ich den Generator an, druecke den Knopf und mit grossem Gerumpele und Geaechze setzt sich die Waschmaschine zoegerlich in Bewegung. Das Waschen dauert nur etwa 20 Minuten, und so scheinen mir auch die Ergebnisse. Schleudern will sie nicht, da hat sie sich wohl beim Umzug was verrenkt. Gereon ist optimistisch, dass er das reparieren kann. Nur ueber den Termin gibt es noch keine Angaben… Als naechstes habe ich aber auch gelernt, dass Dugoutwasser seine Farbe stellenweise an die Waesche weitergibt. Auf keinen Fall darf man die Waesche zum Abtropfen ein bisschen im Waeschekorb stehen lassen. Die Stellen, die dann in der Sonne trocknen, werden gleichzeitig mit einem Dugout-Wasser-braunen Rand gekennzeichnet. Ob der wieder rausgeht, wissen wir noch nicht. Teile, die ich tropfnass aufgehaengt hatte, zeichnen sich nach dem Trocknen durch einen batikartiken Braunschleier aus, auch recht attraktiv. Besonders an Unterwaesche… Das Auswringen hilft etwas, gestaltet sich aber bei Jeans doch schwieriger als erwartet. Ich habe schon ueberlegt, ob ich in Zukunft also meine Kleidung und auch Gereons in strategisch guenstigen Farben kaufen muss. Das wuerde sowieso helfen. Schlammbraun ist immer eine gute Idee und passt zu allem, insbesondere zu matschegrau in allen Schattierungen. Nur die weissen Haare, was machen wir mit denen? Denn die bleiben ja bekanntlich hier in der Waesche, es sei denn, wir benutzen einen Trockner. Tun wir aber nicht.
Jedenfalls habe ich heute meine geliebte Spitzl-Kollektion mit in die Buecherei genommen und werde gleich den Waschsalon besuchen. Da wollen wir mal kein Risiko eingehen.

Eben marschierte auf der Valleyviewer Hauptstrasse eine Schuelerparade entlang, es handelte sich wohl um die erfolgreichen Sportler des Jahres. Begleitet wurde der Zug natuerlich von RCMP vorne und hinten, mit Sirenen und Blaulicht und Krams, und von dem unvermeidlichen Cowgirl, diesmal auf einem typischen Appaloosa. Irgendwie niedlich.