Monthly Archive for October, 2009

Albertas Strassen(adressen)

Also breit sind sie ja, die Strassen hier in diesem Alberta. Aaaber…
Schon seit Severins Besuch ist auf einem Secondary Highway, also einer in unserem Falle geteerten Strasse, die unter Provinzzustaendigkeit faellt, ein Erdrutsch zu verzeichnen. Dieser Secondary Highway ist unsere Verbindung nach Valleyview (und – sozusagen – von da aus in die Welt, haha!). Der Erdrutsch war erst klein, nahm ein bisschen der noerdlichen Fahrbahnhaelfte und wurde einfach nur mittels Hinweiszeichen “bewarnt”. Ach ja, und zum Ausweichen bei dickem Gegenverkehr schuettete man auf der anderen Seite, die auch eine recht steile Boeschung beinhaltet, Schotter und Erde an, ebenfalls heftigst bewarnt und beleitplankt. Es dauerte nicht lange, da fand auf dieser neu angeschuetteten Seite ebenfalls ein Erdrutsch statt. Die Leitplanke wurde umgeformt, so dass sich dort nunmehr ein huebsches, sanduhrfoermiges Fahrbahngebilde befindet. Natuerlich gingen wir davon aus, dass die Dinge nicht lange so bleiben wuerden (koennen). Weit gefehlt. Waehrend der Erdrutsch tat, was Rutsche so tun, naemlich weiterrutschen, wurden mehr Schilder aufgestellt. Inzwischen hat die Geschichte immerhin einen Schweregrad erreicht, der das Aufstellen von Ampeln angeraten schien. Ueber die Schaltzeiten derselben schweigen wir an dieser Stelle… Wir sind gespannt, wie das im Winter wird. Kann ja sein, dass alles sich stabil friert. Koennte aber auch sein, dass an den bereits deutlich sichtbaren “Sollbruchstellen” noch mehr abbricht. Vielleicht auch mal nachts, und dann Neuschnee drueber – das duerfte interessant werden. Und dass die Strasse gesperrt werden muss. Das wuerde fuer uns Umwege von, na, sagen wir mal, 30 km oder mehr bedeuten. Bruecken ueber den Little Smoky sind naemlich, wie man hier so schoen sagt, few and far between.

Parallel dazu erfolgte an unserer Schotterstrasse endlich die Zuteilung von Strassenanschriftsschildern. Bis dato hatten wir ja nur eine so genannte “Legal Land Location”, anhand derer die Eingeweihten bzw. Besitzer von Landeigentumerkarten uns haetten finden koennen. D.h., haetten sie nicht, weil unser Name noch nicht eingetragen ist. Erst, wenn die alten Karten alle sind, werden neue, aktualisierte gedruckt. Und ein Anschriftennummernschild hatten wir auch nicht bekommen, weil wir bei der Erfassung der Residenzen offensichtlich noch nicht auf der Steuerliste standen. Ich hatte nachgefragt, und mir war zugesichert worden, dass der Fall geprueft werde. Schliesslich will ich auch ein Schild!! Und ploetzlich, letzten Montag, stand da eins. Und ziemlich sofort kam es mir so vor, als ob es falsch sei. Nun ist das mit diesen Land-Adressen so wie mit den Adressen in der Stadt: Es gibt eine Referenz-Range Road bzw. eine Referenz-Township Road, und es gibt eine Zugangs-Range Road bzw. eine Zugang-Township Road. Township Roads verlaufen von Sueden nach Norden, und Range Roads von Osten nach Westen. In diesen jeweiligen Richtungen wird auch gezaehlt, Zahlen werden also groesser von Sueden nach Norden und von Osten nach Westen. Theoretisch. Vielleicht ist das auch alles ein bisschen ausschweifend hier und zu kompliziert. Jedenfalls habe ich durch ausfuehrliche Recherche meinen Verdacht bestaetigt bekommen: Nicht nur ist unsere endlich zugeteilte Anschrift falsch, nein, auch sind m.E. die drei Anschriften westlich von uns falsch, und zwar nach unterschiedlichen Kriterien falsch. Die Anschriften werden aber verteilt, damit uns im Falle eines Feuers die Feuerwehr oder sonstige Not-Einsatzkommandos zuverlaessig finden koennen. Tja… da hoert man den Amtsschimmel heftig wiehern, weil er sich in seinem eigenen System total verlaufen hat.

Kleines bilderloses Update

Weil ich ganz ausnahmsweise einmal anscheinend eine ganze Mittagspause ohne Bankgeschaefte, Antraege auf Arbeitslosengeld, Forenpruefung oder aehnliches habe, erlaube ich mir, ein kleines bilderloses Update einzustellen.

Jetzt arbeite ich also schon seit drei Wochen in der Tierarztpraxis. Und es stimmt mich sehr, sehr nachdenklich, manchmal sehr traurig, manchmal gar schlaflos. Mir war gar nicht klar, wieviele ungewollte, unbeaufsichtigte, vernachlaessigte oder sonstwie “uebrige” Tiere es in einer so kleinen Stadt wie Valleyview (etwa 1500 Einwohner) geben kann. Die landen dann hier, und wenn sich innerhalb von drei Tagen kein Besitzer findet, dann koennen sie eingeschlaefert werden. Ich habe nicht gezaehlt, wieviele schon eingeschlaefert worden sind, seit ich hier bin. Aber ich weiss noch von allen, wie sie aussahen. Nun raetsele ich, was ich tun kann, um wenigstens ein bisschen Abhilfe zu schaffen, doch das ist schon ein bisschen so wie gegen Mauern, gern auch aus Gummi, zu rennen. Ich ueberlege aber weiter.

Das laesst mich natuerlich auch wieder vermehrt ueber meine eigenen Tiere nachdenken. Und immer fester bin entschlossen, Ziegen nur abzugeben nach gruendlicher Pruefung. Und das wird wahrscheinlich nie gut ausfallen, zu und zu “picky” bin ich sicher. Neulich sagte noch eine Kundin hier zu mehr: “Ja, das muss aber doch schwierig sein, die eigenen Ziegen zu essen.” Ich sagte ihr, dass es meiner Ansicht nach nur so geht. Dann weiss ich immerhin, wie ihr Leben verlaufen ist, von Anfang bis Ende, und wenn es keine Unfaelle gab, dann war es gut. Keine Angst, keine Schmerzen. Genug zu essen und trinken, ausreichend soziale Interaktion. Und keine, keine einzige, wird je zu einer Auktion gehen, wenn ich es irgendwie verhindern kann.

Und natuerlich bringt es einen auch wieder zu dem Thema der leichtfertigen Anschaffung von Tieren. Meiner Meinung nach kann man gar nicht genug betonen, dass Tiere KEINE geeigneten Geschenke sind, mit den allerallerseltensten Ausnahmen. Karla sagt, dass ganz klar um Weihnachten rum und nach Ostern hier die meisten Tiere auflaufen. Alte Hunde sollen eingeschlaefert werden, weil man ja jetzt einen neuen “puppy” hat, da ist der alte halt uebrig. Osterhasen entpuppen sich als fordernd und – wer haette das gedacht – koettelnd und fressend, also ab dafuer. Deswegen sitzt hier das Praxiskaninchen “Vanilla”, ein Opfer des letztjaehrigen Osterfestes. Katzen kratzen und pinkeln auch mal ein bisschen unkontrolliert. Und landen dann hier, zum Einschlaefern. “Inappropriate urination” heisst das Todesurteil. Nicht schoen.

Auf der anderen Seite natuerlich auch nette Tierhalter, entzueckende Tiere, herzerwaermende und traenendruesen-drueckende Geschichten. Neulich z.B. die “Taschenratte”, aber ein nettes Tierchen, das irgendwie es geschafft hatte, sich ein Auge demolieren zu lassen (und wir sprechen hier von einem Gesamt-Lebengewicht von 1 kg). Das Auge musste entfernt werden, woraufhin das Tier, aehnlich einem Toyspitz, natuerlich nach OP und Rasur etwas gewoehnungsbeduerftig aussah. Die Besitzerin, mit einer anderen “Taschenratte” unter dem Mantel auf der linken Brust, nahm aber ihren Liebling, unter Traenen, sofort an die andere Brust und zahlte, soweit ich das sehen konnte, ohne Zucken ihre recht heftige Rechnung. A mixed bag also. Aber ueberwiegend interessant.

Da, und nu is die pause doch schon wieder um. Telefon klingelt, rechtschreibung leidet. Tschuess!!

Schneefloeckchen…

Weissroeckchen – oder auch gern die erste Ladung mit Gummistiefelchen. Jaja, ist ja auch schon ueber fuenf Monate her, dass wir den letzten Schnee hatten. Vorgestern also der erste “dump” nasses Zeugs, bestimmt 3-5 cm. Und heute morgen dann die naechste Ladung, mit Nordwind, aber dafuer wenigstens trocken. Dabei war es in der Nacht, um halb zwei, als ich in Unterwaesche und Birkenstocks (scheint unsere Arbeitskleidung zu werden) draussen war, um fast alle Ziegen wieder einzupacken, gar nicht so kalt, und es fing gerade erst an zu schneien… haha!

Das war die Strasse nach Sueden heute morgen, als ich zum Farmers’ Markt dueste, d.h. ich dueste nicht, denn schon als ich aus unserer Einfahrt bog, rutschte ich fast in den Graben. Und auf dem Highway war nichts geraeumt, so dass ich bereits an der Post die ersten Spuren erst kurz vorm Graben enden sah. Also fuhr ich extrem langsam. War wohl gut, denn an der naechsten Abbiegung standen Polizei, Krankenwagen und ein ziemlich demolierter Truck im wirklich tiefen Graben. Nicht so schoen. Und auf dem Markt berichteten viele Haendler von haesslichen Problemen auf den Strassen. Selbst hier also, wo der Winter wirklich “laut und deutlich” ist, ueberrascht er die Autofahrer doch fast jedes Jahr.

Der Einzige, der heute morgen richtig Spass im Schnee zu haben schien, war der kleine Herr Lama. Nach zwei Tagen des Eingesperrtseins liess ich Mama und Kind heute morgen raus, und er musste sich gleich waelzen und dann diverse Raserchen aneinanderhaengen.
So, jetzt hab ich ein Library Meeting. Klingt gut, oder?