Monthly Archive for December, 2009

Und weiter geht das!

Dieses Jahr mal keine gewichtigen Worte. Es ist kalt, die Baeume glitzern, fuer die ganze naechste Woche werden Tiefsttemperaturen um die 28 bis 30 Grad minus angesagt. Da wird auch das Salbungsvolle zurueckgefahren :-) )

Stattdessen die Kurzzusammenfassung. Sechs Jahre sind um, wir sind immer noch hier, ich auch, obwohl ich mich manchmal immer noch frage, ob das alles sein muss und wo die Sinngebung liegt… Wir haben zu essen und zu trinken, ich habe Arbeit, Gereons haengt mal wieder in der Luft (der Kunde kann sich nicht entscheiden…), wir haben Holz fuer Waerme und Schnee fuer Wasser, und – blessed be the neighbours – eben kam Albert und brachte unangekuendigt einen Ballen Heu, weil Margaret meinte, wir haetten bei dem Wetter bestimmt Schwierigkeiten, unseren LKW zu starten. Wie wahr! Und wie schoen, dass wir so nette Nachbarn haben! Telefon und Internet liefern mir Kontakte zu Familie und Freunden in Deutschland, und auch hier gibt es ja ein paar gepflegte Kontakte.

Ich bedanke mich auf diesem Wege schonmal bei allen, die mir/uns geschrieben haben. Ich freue mich immer sehr ueber Post aller Art. Fuer dieses Jahr verabschiede ich mich einmal mehr mit ein paar Impressionen von der Schoenheit des Winters hier, allerdings besser nur in homoeopathischen Dosen zu geniessen.

Guten Rutsch allerseits, bleibt gesund und bis naechstes Jahr!

Wie jedes Jahr…

Schoene Feiertage und ein gutes neues Jahr wuenscht diesmal der festliche Ziegenengel!

Die Qual der Wahl

Heute kann ich mich gar nicht entscheiden, wie ich denn diesen Post ueberschreiben soll. Es schneit, der Himmel ist grau, ich muss noch einen Tag arbeiten in diesem Jahr. Gereon dagegen faengt Anfang Januar wieder an. Die Firma hat einen Auftrag, man weiss noch nicht, fuer wie lange Arbeit da ist, aber immerhin. Also muss jetzt jede Stunde genutzt werden – zum Angeln. Das sieht man auch im und ums Haus. Daher die erste moegliche Ueberschrift:

This marriage is temporarily interrupted for Fishing Season!

Die haengen da zum Trocknen, die bereits Geraeucherten sehen dann aus wie folgt, weswegen die naechste Moeglichkeit waere:

Und der Himmel haengt voller … Fische

Fuer diese beiden allerdings haengt der Himmel im Moment tatsaechlich voller Geigen, denn sie sind

Das Traumpaar des Monats!

Die abgesetzte Regierungschefin Odette Anderthalbhorn und der Aussenseiter Amadeus Immerzwerg? haben ihre anfaengliche Abneigung ueberwunden und fressen friedlich miteinander, nur unterbrochen von zaertlichem Geplaenkel. Ob allerdings schon wirklich “was” passiert ist, kann ich nicht sagen. Der Kerl ist ja wirklich klein, und er wird sich eventuell der Bodenunebenheiten bedienen muessen, um zum Ziel zu kommen. Das werden also bestenfalls Ende-Mai-Zicklein. Und dann warten ja noch zwei weitere junge Damen auf seine Aufmerksamkeiten. Karla hat schon gewarnt, dass, weil er noch so jung und winzig ist, die Befruchtungsrate eher geringer ausfallen koennte. Na, soll er halt mal ueben. Stinken kann er jedenfalls schon. Wer genau hinschaut, erkennt auf dem Bild, dass die Unterhaelften der Vorderbeine eine andere “Hell”farbe haben als die Unterhaelften der Hinterbeine. Und das Gelbe ist nicht die Originalhaarfarbe…

Ueberstanden!

Es sieht so aus, als haetten wir es fuer die erste Zeit mal wieder geschafft: das erste richtig kalte Wochenende liegt hinter uns. Angekuendigt war es ja schon laenger immer mal wieder, aber dann kam es wirklich mit aller Macht. Am Samstag glaube ich waren Hoechsttemperaturen von -33 Grad gemeldet. Wir hatten an einem Tag das Gefuehl, dass es nie „waermer“ als -35 war. Lachhaft, sowas noch „hoechst“ zu nennen. Unser Thermometer hat bei -40 aufgegeben, aber wir vermuten, es war kaelter. Da ist bei uns nur leider die Skala zuende. Ich habe es aber am Montag tatsaechlich bis zur Arbeit geschafft. Den Highway hatte ich praktisch fuer mich allein, so dass ich mich auf halber Strecke schon gefragt habe, ob ich vielleicht einen Fehler mache. In der Praxis hatte ich dann Gelegenheit, mal den ausfuehrlichen Wetterbericht mit Hintergrundinfo anzuschauen, und siehe da: Anscheinend galt Edmonton fuer kurze Zeit in der Samstagnacht als kaeltester Ort der Welt. Gleich danach muss aber Sunset House gewesen sein…

An solchen Tagen sind natuerlich immer die Tiere die groesste Sorge. Wir haben gut vorgefuettert und -gewaessert und in alle Staelle Heu gepackt. Trotzdem klappert natuerlich alles gewaltig, die Nuestern sind bereift, bei den Lamas der ganze Ruecken weiss, und sie tun mir immer sehr leid. Wenn ich Geld haette, wollte ich am liebsten so ein norddeutsches Ding haben, wo alles unter einem Dach ist. Waere doch sinnvoll, sich mal mindestens eine warme Wand zu teilen – fuer alle, die unter demselben Dach wohnen.

Samstag abend dann, als es wirklich besonders kalt war, hoerten wir so gegen zehn, praktisch schon im Bett, ein Huhn laut kakeln und anscheinend am Haus vorbeiflattern. Das gehoert um diese Zeit so gar nicht! Also eingepackt, Lampe gegriffen und raus. Wir fanden tatsaechlich eines unterhalb des Hauses Richtung Dugout, das offensichtlich den ganzen Tag und die Nacht davor draussen verbracht hatte. Es war weder verletzt noch eisekalt, und so hat Gereon es wieder in den Stall gepackt. Wir nehmen an, dass es vom Wiesel erschreckt worden und dann dem Licht entgegengeflogen ist. Das haette aber auch schiefgehen koenne. Das Wiesel, so sahen wir heute, hat anscheinend zumindest eine Zweigstelle unterm Huehnerstall eingerichtet, und ich habe so den Verdacht, dass es sich auch unter dem nicht ganz dicht schliessenden Huehnerklaeppchen hindurchzwaengt. Was erklaeren wuerde, warum wir NULL Eier haben. Gereon hat es mit einem Fischkopf bestochen, damit es keine Huehner fressen muss… Fischkoepfe fallen im Moment hier oefter an, seit die Herren eindeutig vom Angelwahn befallen sind. Auch heute sind sie, kaum dass die Temperaturen auf muckelige minus 20 gestiegen sind, schon wieder raus auf den See. Nunmehr ja jeder mit einer kleinen Angelbude bestueckt, die den Wind abhaelt und die Sicht durch das Eisloch ins Wasser ermoeglicht.

Parallel und bei graesslichsten Temperaturen haben sie, also Dieter und Gereon, auch das Raeucherhaeuschen fertiggestellt und anscheinend schon probegefeuert. Dieter hatte ja bereits einige Raeucherungen der gefangenen Weissfische (allerdings nicht dasselbe wie die deutschen Weissfische, liebe Helga. Und: Auch Hechte und Barsche werden gefangen.) durchgefuehrt, und die letzten waren wirklich sehr gelungen! Aber ein „richtiges“ Raeucherhaus musste her, und so wurde das aus grundstueckseigener Schwarzpappel erstellt.

Huebsche Farben, oder? Gereon findet, es sieht aus wie Eiche. In dieses Raeucherhaus kann dann bei Bedarf auch der/die Schinken und Wuerste gehaengt werden, auf die ich ja eigentlich noch mehr hoffe als auf den Raeucherfisch. Aber ich habe da keinen Einfluss. Heute wurde mir erklaert, dass ja bei den Ureinwohnern eigentlich die Frauen die Fische zubereiten… Sagte mir der Hausherr, waehrend er mit offensichtlichem Spass diese Arbeit selbst verrichtete. Ich glaube, bis jetzt ist der Winter fuer Gereon ziemlich gelungen. Zwar war er nicht wirklich jagen, aber das Angeln klappt gut und zaehlt wahrscheinlich genauso viel in Spasspunkten. Als sie eben, dick vermummt, wieder losfuhren, meinte Dieter: Wir gehen jetzt wieder unserem Versorgertrieb nach. So nennen sie dass, die beiden kinderlosen aelteren Herren! :-) ) Aber macht nicht wirklich was. In der Zeit kann ich ungestoert meinem Internet froenen (waehrend uebrigens unten der naechste Fisch in der Salzlake fuers Raeuchern liegt…)

Nachtrag zur Doppelgaengerin: Sie musste leider eingeschlaefert werden. Nachdem sie einigermassen aufgewaermt war (selbst nach mehreren Stunden zeigte Karlas Thermometer nichts an!), war offensichtlich, dass sie schwere Schmerzen hatte. Dazu kam, dass sie voellig abgemagert war, so dass diese Loesung die freundlichste schien. Arme Petra!

Dafuer aber hat am Freitag nachmittag noch auf den letzten Druecker (sonst haette ich ihn wieder eingepackt) der grosse schwarze Hund ein neues Heim gefunden! Yippieh!

Unseren Tieren drinnen uebrigens tut natuerlich nichts weh. Den kleinen Hund kann man nicht fotografieren, weil er immer unter der Decke liegt. Aber Trudi. Die hat festgestellt, dass gewaschenes Lamahaar noch Klassen besser zum Schlafen taugt als doofe Glasfaserisolierung.

So, 16 Uhr, bei euch faengt der 16. an. Hier geht die Sonne gerade unter. Ich muss mich jetzt wieder einmuckeln und die Tiere versorgen, waehrend die Herren nach wie vor ihrem Versorgertrieb nachgehen. Da ist man schon froh, wenn sich jemand so nett um einen kuemmert :-) )) Sie wollen mir auch einen Kanister Seewasser mitbringen. Lieb! (Weil sie naemlich bestimmt zu faul sind, bei Margaret anzuhalten und weil das ausserdem viel besser dem Versorgerischen entspricht, ein dickeres Loch ins Eis zu hacken, um der Frau zu Hause das so dringend benoetigte Wasser zu bringen – ein bisschen wie Indianer- oder vielleicht eher Trapper-Spielen)

Doppelgaengerin?

Heute morgen eingeliefert in die Praxis: Eine Alpaka-Dame namens Petra! Sie hat eine Gesichtslaehmung, die Arme. Weil fuer’s Wochenende Hoechsttemperaturen von bis zu -30 Grad (seltsame Formulierung, ich weiss, die angesagten Tiefsttemperaturen sind -39) gemeldet werden, darf Petra ueber’s Wochenende hier bleiben. Sie ist naemlich noch recht kurzhaarig und nicht wirklich in Schuss. Hallo Kollegin! Als ich die Besitzer anrief, um die Einlieferung zu bestaetigen, und mich, wie immer, mit: “Hello, this is Petra from the Vet Clinic” meldete, konnte ich foermlich sehen, wie der Mann dachte, ich wollte ihn auf den Arm nehmen. Wir haben das dann klaeren koennen. :-) ) Hoffen wir, dass wir beiden Petras ueber’s Wochenende warm bleiben und uns nicht die Gesichtszuege (noch mehr) entgleisen.

Ach, und noch ein PS: Von den Kaiserschnittwelpen lebte nach ein paar Tagen bei den Besitzern noch einer. Ich habe gestern auf dem Farmers’ Market erfahren, dass in der Tat es auch schon bei mindestens einer Tochter (17 Jahre alt) mindestens zwei Kinder von zwei Vaetern gibt. …

Weiter mit dem Guten (und dem eher neutralen)

Am Montag war es ein relativ ruhiger Tag hier in der Praxis. Kurz vor Toresschluss kamen noch Adam und Katrin mit dem kleinen Juri vorbei (von dem ich noch gar nichts erzaehlt habe, der aber ganz eindeutig zu dem nur Guten gehoert, aber mehr davon spaeter). Und es kamen eine Mutter mit ihrer Tochter und einem jammernden Hund rein. Adam und ich haben nachher beide gesagt, dass wir sofort dachten: Oh, Babies! Der Hund hatte eingefallene Flanken und einen dicken Bauch und ein dickes Gesaeuge. Auf meine Frage hin, was der Hund denn habe, sagte die Mutter: Der hat so eine seltsame Ausstuelpung hinten, wir wissen nicht, ob das anal oder vaginal ist. Und als Karla ihn untersuchte, hoerte ich, waehrend ich natuerlich den kleinen Juri einmal mehr bewunderte, mit einem Ohr: More Babies!
Und so war es dann. Scheidenvorfall aufgrund nicht vorangehender Geburt. Kaiserschnitt. Die Besitzer (und das ist jetzt der zaehneknirschend neutrale Teil) wollten den Hund (18 Monate alt) nach Karlas Diagnose eigentlich lieber einschlaefern lassen. Niemand hatte gemerkt oder auch nur gedacht, dass das Tier traechtig sei, und soviel Geld in einen Kaiserschnitt an einem “Draussen-Hund” zu investieren, das schien unangebracht. Aber die Tochter hat wohl auf die Traenendruese gedrueckt! Gutes Kind! Und Karla suchte Freiwillige, um die – falls ueberhaupt – ueberlebenden Welpen nach dem Kaiserschnitt zu rubbeln und zum Atmen zu bringen. Die Roentgenaufnahme ergab mindestens 5 Welpen. Raus kamen 8, und nach vereinten Anstrengungen der freiwilligen Puppy Rubber Crew atmeten alle. Da sind sie.

Inzwischen ist allerdings Mittwoch, und drei sind schon gestorben. Die Mutter ist sehr verwirrt und schafft es nicht, ihre recht mickrigen Kinderchen warmzuhalten, trotz Waermekissen und Decken und allem Krams. Ausserdem ist die Arme selbst so mager, dass sie wahrscheinlich Muehe hat, ihre Koerpertemperatur zu halten. Und dann hat sie wohl auch noch auf manchen gelegen.

Es scheint, dass die Besitzer selbst eine ganze Reihe Kinder haben, und Adam mit seinem losen Mundwerk dachte laut darueber nach, wie das wohl mit deren Toechtern und der Aufklaerung gehen koenne, wenn man nicht merkt, dass der Hund laeufig, gedeckt, traechtig ist und/oder sich inmitten der Geburt befindet.
Tja.

Ansonsten gut: Das Wetter ist nach wie vor sehr schoen. Der Gatte ist im Angelwahn und hat in Dieter einen Gleichgesinnten gefunden. Die beiden schieben es auf ihren Versorgertrieb… Heute wollen sie erst angeln, dann raeuchern. Der Vollmond war heute morgen so hell, dass ich beim Spaziergang mit Emmy fast eine Sonnenbrille brauchte – sehr schoen. Und wir haben zu mehreren festgestellt, dass so ein schneeloser Fruehwinter, trotz all seiner Nachteile fuer die Feuchtigkeit, die wir so dringend brauchen, auch sehr schoen ist. Alles glitzert und flitzert immer, der Himmel ist, wie so oft, unglaublich blau, das duerre Gras hat so eine Kojoten-beige Farbe, oder vielleicht haben sich auch die Kojoten dem duerren Gras angepasst. Die Birken wirken mit ihren blattlosen Trieben wie dunkelrote Besen, alle auf die Stiele gestellt. Doch: Letzte Nacht war es zum ersten Mal so eher richtig kalt, minus 17 heute morgen direkt vor dem Kuechenfenster. Die Milch war abends schon zu einem 4-liter-Block gefroren, das eingekochte Obst im Kuehlschrank war Obst in Slushie. Und fuer den Rest der Woche soll es erst schneien, und dann werden Tiefsttemperaturen bis -24 vorhergesagt. Also womoeglich dann (endlich) echter Winter. Eben war noch ein Kunde hier, der von vor 20 Jahren erzaehlte, wo der Herbst so war wie dieses Jahr und es dann im Dezember anfing zu schneien und bis Ende Januar nicht wieder aufhoerte. Wir sind gespannt!