Monthly Archive for June, 2010

Blondgelockten jungen Maennern

und ihren Bitten kann ich schlecht widerstehen. Hier also nach fast einem Monat ein kleines, bebildertes Update – obwohl nicht wirklich viel Sichtbares passiert hier am Schnepfensee.

Ausser dass es geregnet hat und nach wie vor immer mal wieder regnet. Im Moment – um 8:19 morgens, jawohl, das seid ihr mir wert an einem Sonntag – ist es auch wieder trueb und ein bisschen windig, und Regen waere moeglich. Neulich morgens sah unser Rain Gauge erfreulicherweise so aus

4 1/2 inches, das ist schon bald soviel wie wir im ganzen letzten Jahr an fluessigem Niederschlag hatten. Allerdings hatten wir da vorher einen viel schneereicheren Winter. Wir koennten also noch deutlich mehr brauchen. Dennoch, es wird gruen, wie ihr seht. Das Gruen links vom Ziegenzaun taeuscht jedoch: Die Ziegen sind seit gut zwei Wochen, glaube ich, draussen, und das Futter neigt sich schon dem Ende zu. Sie sind jetzt dabei, die ueberlebenden Koniferen zu schaelen… Und das Gruen im Garten ist, neben Kartoffeln, ueberwiegend Unkraut…

Auch sonst waechst alles. Wenn ich morgens das Tor oeffne, purzeln die Ziegenmuetter mit ihren eifrigen Kindern raus und rennen zum naechsten Futter, und bei den Huehnern ist es nicht anders. Gereons geschaetzte 30 Kueken sind geschluepft, und sie jagen schon Muecken – sehr amuesant. Es wird gerannt und gerast und man kollidiert gern auch mal in der Luft, wenn man sich dasselbe Ziel ausgeguckt hatte. Es scheint, dass Gereons Taktik aufgeht. Er hatte jeweils zwei Hennen zusammen auf etwa 12 Eier gesetzt, und die Eier waren von ihm handverlesen, er hatte nur die groessten ausgesucht. So haben wir von den geschluepften Kueken nur etwa 3 andersfarbige, der Rest ist beige oder weiss (von den Orpingtons naemlich), sie sind alle innerhalb von drei Tagen geschluepft und – oh Wunder – die Muetter vertragen sich alle, die Kueken sehen sich so aehnlich, dass es sowieso hoffnungslos scheint, sich wegen einem zu zanken, man nimmt dann halt das naechste. Und die Kueken nehmen die jeweils naechstsitzende Mutter – sehr praktisch. Fast wie ein Kibbuz oder eine Kommune oder so.

Derweil fruehstuecken die Schweine alte Eier, weil wir immer noch zuviele haben. Ludwig und Lili finden das in Ordnung…

In der Praxis ist es arbeitsmaessig hektisch und heftig. Es gibt zwei neue Tierarzthelferinnen und eine neue Tieraerztin – was zwar zu mehr Arbeit, aber auch zu einer besseren Verteilung und weniger Stress fuer alle fuehren soll, theoretisch. Aber bis alle gut eingearbeitet sind, dauert es natuerlich einige Wochen. Und immer kommt was unerwartetes. So weiss ich nun, dass z.B. ein halber Teeloeffel Frostschutz innerlich eine Katze umbringt. Nicht schnell, aber recht sicher. Dass dicke Katzen unbedingt regelmaessig essen muessen, weil sie sonst an Fettleber sterben. Dass umso mehr Hunde und Katzen eingeschlaefert werden, je mehr Stress die Chefin (und der Chef!) haben. Dass einige Leute ohne mit der Wimper zu zucken Hunderte und Aberhunderte Dollars fuer ihre Tiere ausgeben, andere aber eher ueberhaupt nicht. Beides ist mir nicht immer verstaendlich. Uebrigens keine News von dem alten Herrn mit der Knochensaege und den appen Hoernern. Ist wahrscheinlich gut.

Hier also ein bisschen aus der Praxis: Ein Stachelschwein-Angreifer, der mit geschlossenem Maul noch ganz normal aussah. Aber dann… Es dauerte fuer zwei Stachelzieher eine halbe Stunde. Ausserdem: eine wirklich fette Katze beim Haarschnitt in Narkose. Und Bruno, der knapp 72 kg schwere Pyrenaeenberghund, den ich wirklich ausnehmend gross fand. Michelle in Tuerkis macht mal die Streichholzschachtel. Und dann, ganz ohne Tierarztpraxis, aber frisch von Keddie’s, meinem Lieblings-Farm- und Westernladen in der Stadt: Roping Dummies. Anhand dieser Rohrkaelber koennen offensichtlich auch schon kleinste Kinder das Lassowerfen ueben. Natuerlich auch solche Kinder, die eigentlich mit rosa Barbies spielen wollten… Im Hintergrund in braeunlich: Ein roping dummie in Original-, also Kaelbergroesse. Und jetzt is Schluss, mehr Bilder gipps heut nich.

Jetzt mach ich fuer den Chef und mich Rhabarberpfannkuchen zum Fruehstueck – Rhabarber ist naemlich bisher das einzige, was ich im Garten ernten kann! Schoenen Tach und gute Woche. Ach nee, hab noch was vergessen. Fuer die Jungs jetzt, die mutigen, die uns besuchen kommen: Ihr Burschen, der Plan ist, dass ihr hier drin logiert:

Natuerlich ist das ein Foto vom vorigen Standort, so’ne Berge ham wer nich. ETA 6. Juli. Aufbauplatz bereits ausgeguckt, (relativ) baeren- und wolfssicher im Hof, tatsaechlicher Aufbau noch unklar, da Haende gebraucht werden. Und Holz. Und goodwill vom Chef (das kann manchmal das schwierigste sein). Aber so ist der Plan. Wappnet euch schon mal! Jetzt aber wirklich auf Absenden druecken!

Koeniginnen im Fruehling

6:53. Der Chef ist so gegen fuenf Uhr (eklig) losgefahren, um seine neuen Koeniginnen in Grande Prairie am Flughafen abzuholen. Zehn Stueck hat er sich bestellt, da sollte der Spass ja garantiert sein. Kein Wunder, dass ich mich manchmal ein bisschen ueberfluessig fuehle :-) Woher die Damen kommen, hat er sozusagen nicht gefragt. Aber gestern abend hat er bis 11 Uhr an ihren neuen Quartieren gebastelt, kleine Hofstaate schonmal eingebaut sowie Vorratskammern. Und da die Koeniginnen schon ihren Hochzeitsflug (daher wahrscheinlich der Name Honeymoon…) hinter sich haben, hoffen wir, dass sie gleich ans Werk gehen und Milliausen Bienen-Eierchen legen.

Nachdem ich die kleine Pomona gemolken habe, die aber leider keine leckere Milch gibt, goenne ich mir heute also nochmal ein bisschen Zeit am Rechner, bevor ich dann hoffentlich endlich in den Garten gehen kann – und die Gedanken an die auch noch ausstehende Steuererklaerung, an den ewigen Spuel, die Unordnung und andere Kleinigkeiten einmal mehr in den Hintergrund draenge. Ich hab ja mal wieder nette emails bekommen, von unbekannten Menschen, die mehr ueber meinen Mann wissen als ich wahrscheinlich jemals wissen werde, und die mir Komplimente schicken. Manchmal denk’ ich, ich haett’ mal besser vorher eine kleine Umfrage gestartet…

Gestern abend z.B. (Achtung Bruno und Lion!!), da musste er unbedingt los, zu den Bienen, die jetzt in den Loewenzahnwiesen stehen. Nach eineinhalb Tagen ohne Zaun hatte naemlich der eine Stand schon Besuch von den Petzen. Allerdings noch ohne Schaden. Also Zaun flugs gebaut. Doch die Petze waren schon wieder da, einen sah der Chef selbst, einen anscheinend anderen der Landbesitzer, der daraufhin sofort anrief. So reiste gestern abend “die Waffe” mit. Auf meine Bemerkung, dass ich hoffte, es gehe ohne Schuesse aus, meinte der Chef: Natuerlich, das hoffe ich auch. Aber wenn ich ihn mitten zwischen den Bienen erwische – dann muessen die Jungs eben Baerenfleisch essen. – Und strahlte dabei. Maenner. Ich versteh’ sie nicht. Na ja, es ging ohne Schuesse, aber zwei Baeren hat er gesehen, er tippt auf Mutter und Tochter. Ganz nah, aber hoffentlich schon vom Zaun ordentlich abgeschreckt. Der Chef strahlte wieder. Baeren sind ihm eine grosse Freude. Er findet sie niedlich mit ihren dicken Hinterteilen (das sagt er jedenfalls selbst), und er wuerde sie ohne mit der Wimper zu zucken abschiessen. Tztztz.

Derweil wurden zuhause die beiden letzten Ziegenkinder fuer dieses Jahr (hoffe ich jedenfalls) geboren. Die besinnliche Blanca spuckte einen Knaben und ein Maedel aus. Offensichtlich kann der eher unscheinbare Herr Alfred gute Kinder machen, und ebenso offensichtlich hat er eine Neigung zu Maennern. Bald muss ich mir Verstaerkung suchen. Obwohl, das ist wahrscheinlich sehr subjektiv. Immer noch neigt sich die Ziegenwaage mehr zu den Maedels. 9 Jungs und insgesamt 17 Maedels, all heads counted.

Hier sind wir also:

Ansonsten: Es regnet immer mal wieder, so dass der Dugout beruhigend angestiegen ist. Leider sind die Temperaturen kaum ueber 20 Grad, fuer die Bienen duerfte es gern deutlich waermer sein. Fuer mich nicht. Ich finde es ziemlich wundervoll, dass nach wie vor kaum Moskitos unterwegs sind. Doch das wird sich jetzt ganz schnell aendern. Die haben bestimmt zu Millionen in den Startloechern gesessen bzw. sitzen teilweise noch. Und zaehlen bis drei – aber dann aber!

Die Kartoffeln sind in der Erde endlich, dank der Chef-Aktivitaeten. Crystal, meine wunderbare Friseurin, sagte neulich noch, mit mehr als einem Hauch Ironie: Wie? Ein Mann, der gern Kartoffeln isst? – Wie ungewoehnlich…

Draussen steht der abgesetzte Herr Alfredson in der Sonne. Seit Tagen schreit er sich die Kehle heiser, weil er keinesfalls ohne seine Mama im Herrenclub sein will. Seiner Mama geht das nach einem Tag der Trauerarbeit, unterstuetzt durch Hafer-Therapie, an beiden Knien vorbei. Vernuenftiges Maedchen. Ist einfach wieder zurueck zu Mama gezogen.

Das “Unkraut” waechst natuerlich wie bloede. Die Pfingstrosen haben den Winter ueberstanden, erstaunlich, ebenso wie die meisten anderen Stauden. Manchmal wimmeln die feuchten Stellen auf dem Hof von Schwalbenschwaenzen, na ja, wimmeln ist vielleicht uebertrieben, aber fuenf, sechs auf einmal sieht man leicht. Der Chef hat Huehner auf Eiern sitzen, insgesamt 7 Hennen. Er findet, das ist besser, als die vielen Eier zu verfuettern. Ich bin mir da nicht so sicher, schliesslich produziert es mehr Huehner. Aber die will er zu Suppe verarbeiten (lassen…). Nun denn. Leben und Sterben in Alberta. Im Moment mal wieder ein heikles Thema fuer mich, das noch einiger geistig-seelischer Arbeit (Achtung, hier wieder fuer den Herrn Schu ;-) ) bedarf.

So, jetzt noch ein Teechen, und dann arbeiten – oder doch lieber wieder ins Bett???